Beni Hafner alias Oimara: Ein heller Tegernseer

München – “A Quantum Prost” heißt das Album des Tegernseers Beni Hafner alias Oimara, und der Titel verspricht nichts Falsches: Bei der Single “Busheislparty” fließt der Alkohol in rauen Mengen, mit dem Schlusssong wünscht Oimara ein “Happy New Bier”.

Sein Pop, der manchmal die Grenze zur bayerischen Volksmusik streift, wird sicherlich oft zur Untermalung einer zünftigen Gaudi aufgelegt. Wer allerdings ein gewisses Quantum an Prosts überschritten hat, wird den oft sehr schnell und in Mundart vorgetragenen Texten kaum folgen können.

Beim Zoom-Gespräch erlebt man dann aber keinen lauten bajuwarischen Gaudiburschen, sondern einen zurückhaltenden, freundlichen jungen Mann, der vor der Kulisse des Tegernsees sitzt und gepflegtes Hochdeutsch spricht.

Beni Hafner: “Aber ich hab’s dann halt gemacht…”

AZ: Oimara, wer Sie nicht kennt und Ihren Namen liest, betont fälschlicherweise die zweite Silbe, oder?
OIMARA: Ja, deshalb fragen mich viele, wie ich zu diesem italienischen oder arabischen Namen komme.

In Wahrheit sind Sie aber der bairische “Almerer”.
Genau, ich komme von der Hafner-Alm am Tegernsee.

Haben Sie da am Stammtisch Ihre ersten Auftritte gehabt?
Ja, aber nicht auf Eigeninitiative. Früher habe ich mich nicht getraut, vor anderen zu spielen, habe immer nur in meinem Zimmer gespielt. Aber als ich so Mitte zwanzig war, hat mein Vater immer wieder gesagt: Jetzt komm halt mal runter, da ist jemand, der gar nicht so unwichtig ist, spiel halt mal was! Das war, als ob ich als Kind an Weihnachten gezwungen worden wäre, Blockflöte zu spielen. Aber ich hab’s dann halt gemacht, Gott sei Dank.

Die Sache mit dem Gig beim Geburtstag von Fritz Wepper

Vor welchen wichtigen Leuten sollten Sie denn spielen?
Nach Tegernsee kommt halt auch viel Prominenz, zum Beispiel Jean Frankfurter, der damalige Produzent von Helene Fischer. Der hat mich dann eingeladen, auf seiner Geburtstagsparty zu spielen, und da waren alle: Costa Cordalis, Helene Fischer, Florian Silbereisen. Solche Sachen haben sich halt ergeben. Oder die Moderatorin des Münchner Vereinsheims war bei uns oben und hat mich in ihre Sendung eingeladen. Einer meiner allerersten Gigs war beim Geburtstag von Fritz Wepper. Da trifft man dann immer wieder Leute, die einen anrufen und fragen: Spielst Du auch bei mir?

“Bier ist ein Kulturgut bei uns”

So fing also Ihre Karriere an.
Und weil ich ein Video namens “Bierle in da Sun” aufgenommen habe. Das hat inzwischen über 800.000 Aufrufe gehabt, dabei ist es nur so ein blödes Handyvideo. Bei Spotify wurde das Lied schon 1,5 Millionen Mal gestreamt.

Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?
Das ist für viele offenbar ein Lebensgefühl.

Saufen?
Nein, die Liebe zum Bier. Es ist kein rein alkoholverherrlichendes Lied. Bier ist ein Kulturgut bei uns und gehört einfach dazu.

Bei Ihnen auch?
Klar. Ich bin kein Alki, trinke aber gern einmal ein Bier. Aber nie allein daheim, sondern nur mit Freunden.

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Eine Single Ihres neuen Albums heißt “Heid is ma wurscht”. Hilft diese bayerische Wurschtigkeit einem Musiker in der Coronazeit?
Klar, man kann das ja nicht jeden Tag an sich ran lassen, sonst macht man sich fertig. Die Kraft verwende ich lieber für etwas Kreatives.

“Ich improvisiere viel und schreibe bei jedem Auftritt spontan Songs”

Zum Beispiel?
Ich schreibe viele Stücke für andere. Ich habe Songs für die Troglauer gemacht, für D’Hundskrippln, die Fäaschtbänkler und “Alle Achtung”. Ich habe auch ein paar Aufträge, Jingles zu schreiben. Gerade habe ich eine Anfrage gekriegt, für das Landratsamt eine neue Telefonschleife zu schreiben. Das habe ich auch schon mal für eine Versicherungsfirma gemacht. Und ich bekomme Anfragen, Songs explizit für Leute oder Firmen zu schreiben und aufzunehmen. Oder für Hochzeitspaare, die einen Song über sich haben wollen.

Wie kommen diese Leute auf Sie?
Durch meine Auftritte. Ich improvisiere viel und schreibe bei jedem Auftritt spontan Songs. Danach kommen Leute, schicken mir Stichpunkte und sagen: Kannst Du ein Gstanzl für mich schreiben?

Bei Ihren Konzerten lassen Sie sich ebenfalls Stichpunkte geben und improvisieren spontane Lieder, oder?
Ja, oder ich greife eine Situation auf. Das ist für mich wahre Musik, wenn man aus dem Nichts einen Song schreibt. Den gibt es nur ein Mal und nie wieder – aber zu dieser Situation passt halt auch kein anderer Song besser.

“Ich hab’s nicht so mit den Schubladen”

Sie haben sich auch mal im Fernsehen bei Dieter Nuhr Stichpunkte zurufen lassen und spontan einen Song darum gebaut.
Ja, das habe ich aber nur halb gut hingekriegt. Das war einer meiner allerersten Auftritte. Dieter Nuhr hat mich auf einer privaten Feier in Tegernsee kennengelernt, bei der ich gespielt habe. In seiner Sendung war ich so aufgeregt, das war schlimm.

Geht Ihnen das öfters so?
Ich bin vor Auftritten immer am Zittern, bin nicht ansprechbar, bin aufgeregt bis hin zu Angstzuständen. Aber man schaltet dann in diesen Überlebensmodus.

Was Sie dann spielen, klingt poppig, und gern werfen Sie Blueslicks auf der Gitarre ein. Aber Sie werden oft als Volksmusiker bezeichnet. Zu Recht?
Ich hab’s nicht so mit den Schubladen. Pop, Blues oder Volksmusik? Da kommt dann wieder meine Wurschtigkeit zum Tragen.

Oimara: “A Quantum Prost” (Bogner Records)

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