Chauvi-Alarm bei Keira Knightley: „Die Misswahl“ – Filmkritik

Kinostart: 1. Oktober 2020

Der perfekte Filmbeitrag zur aktuellen Debatte über Rassismus und Chauvinismus in unserer Gesellschaft – nett verpackt in einer Story über eine politisch aufgeladene Miss-Wahl, die Keira Knightley als feministische Studentin zu sprengen versucht und bei der erstmals eine dunkelhäutige Kandidatin aus Südafrika antritt – übrigens eine wahre Begebenheit rund 50 Jahre vor #metoo. Warum man sich das Retro-Drama gut anschauen kann, verrät Mireilla Zirpins in ihrer Video-Kurzkritik.

London 1970. Die Zeit von Schlaghosen und Flower Power, die Post-68-Ära nach den Studentenrevolten in vielen Ländern. In der Gesellschaft hat sich einiges geändert. Aber für die Frauen läuft es immer noch mäßig. Wenn Sie Glück haben, dürfen sie als Sekretärin arbeiten – wenn ihr Mann einverstanden ist. Das war in Deutschland übrigens bis 1977 so. Hätten Sie das gedacht?

Das ist das gesellschaftliche Klima, in dem Sally Alexander (Keira Knightley) ihr Töchterchen nach der Scheidung allein großzieht und unverheiratet den zum Glück für seine Zeit recht emanzipierten, aber im Film recht blassen Gareth (John Heffernan) datet. Kein Wunder, dass sie trotzig sagt, sie sei froh, dass sie als wieder Unverheiratete endlich allein über ihr Leben entscheiden kann. Aber stressig ist es schon für die Alleinerziehende, die sich nun endlich um ihre Bildung kümmern und ein Studium aufnehmen will. Und feststellt, dass die Elite-Uni natürlich auch eine Bastion der Männer ist.

Aber die im Grunde bourgeoise Sally trifft auf dem Campus auch ein paar wilde Feministinnen, die dort nur zu Gast sind und die elitären Chauvis aufmischen wollen. Schnell freundet sie sich mit den militanten Frauenrechtlerinnen um die quirlige Jo (Jessie Buckley aus “Chernobyl”) an. Das nächste Ziel der schlagkräftigen Frauentruppe: Sie wollen die Wahl der Miss World torpedieren – eine Fleischbeschau, die damals schon aus der Zeit gefallen wirkte, aber ja immer noch Bestand hat.

Bei der Veranstaltung, bei denen die Damen auf Pölsterchen im BH abgetastet werden und sich von der Altherren-Veranstalter-Riege (personifiziert durch Rhys Ifans als Misswahl-Chef Morley und Greg Kinnear als schmierlappiger Moderator Bob Hope) “launige” Sprüchlein über ihr Zuviel oder Zuwenig an Rundungen anhören müssen, verlaufen die Fronten ganz woanders. Der Veranstaltung von weißen Männern für weiße Männer mit schönen natürlich auch weißen Frauen wird mangelnde Diversität vorgeworfen – also soll schnell noch eine “Beauty of colour” aus Grenada (Gugu Mbatha-Raw aus “Motherless Brooklyn” spielt Jennifer Hosten) hergezaubert werden. Und die “inoffizielle” Miss Südafrika mit dunkler Hautfarbe (Loreen Harrison als Pearl Jansen), obwohl von dort schon eine weiße Schönheitskönigin im Rennen ist.

Schau an! Das fiel also schon vor fünfzig Jahren auf! Kein Wunder, dass Keira Knightley, der der Feminismus ein Anliegen ist, diese Rolle im Film von Philippa Lowthorpe (“Call The Midwife”) gern spielt. Heute sind wir da auch nicht viel weiter. Aber immerhin einen wichtigen Schritt. Und von dem handelt dieser Film. Ein engagiertes Drama, indem es eine Weile braucht, bis die dunkelhäutigen Misswahl-Kandidatinnen und die aufmüpfigen Feministinnen merken, dass sie eigentlich für die gleiche Sache kämpfen: für die der Gleichberechtigung.

Der Film startet am 1. Oktober 2020 in den deutschen Kinos. 
Der Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie zuletzt im Kino folgende Titel mochten:

  • “Bombshell” mit Nicole Kidman, Charlize Theron und Margot Robbie
  • “Official Secrets” mit Keira Knightey und Ralph Fiennes
  • “Hustlers” mit Jennifer Lopez, Constance Wu und Cardi B

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