Das Buch „Heiliger Zorn“ von Catherine Nixey

Catherine Nixey gibt ihn ihrem Buch "Heiliger Zorn" den Christen die Schuld am Untergang der antiken Kultur

"Als die Männer den Tempel betraten, nahmen sie eine Stange und zertrümmerten Athenes Hinterkopf mit einem einzigen Schlag – einem Schlag, der mit solcher Kraft ausgeführt wurde, dass er die Göttin enthauptete", schreibt Catherine Nixey, als wäre sie dabei gewesen. "Ihr Kopf fiel zu Boden, die Nase brach ab, die so sanft wirkenden Wangen waren zerschmettert. Nur die Augen Athenes blieben intakt und blickten die Angreifer aus einem furchtbar entstellten Gesicht heraus an."

Schauplatz der Handlung ist die syrische Oasenstadt Palmyra. Aber es ist nicht der "Islamische Staat", der das Museum plündert und antike Bauten in die Luft jagt, sondern eine andere Gruppe radikaler Monotheisten, die keine Götter neben dem einen Gott duldet und Statuen zu Götzenbildern erklärt: frühen Christen der Jahre um 385, als die zuvor nur sporadische Gewalt gegen die alten Götter und ihre Tempel immer mehr eskalierte.

Die intoleranten Christen

In ihrem Buch "Heiliger Zorn" zeichnet die britische Althistorikerin und Journalistin Catherine Nixey ein düsteres Bild der Intoleranz in der Zeit nach der Machtergreifung des ersten christlichen Kaisers Konstantin im Jahr 306. Noch ehe das Jahrhundert endete, kassierte Kaiser Theodosius die Religionsfreiheit im Römischen Reich und erklärte das Christentum zur Staatsreligion.

Die Autorin malt ein – womöglich zu freundliches – Bild der religiösen (und sexuellen) Vielfalt in der Zeit davor, in der jeder nach seiner Façon selig werden konnte, sofern er sich zum Staatskult bekannte. Mit den Christen, die dies ablehnten, gingen die Römer vergleichsweise tolerant um. Anders als größtenteils frei erfundene Legenden berichten, blieb die Zahl der Opfer in den Verfolgungen unter Decius und Diokletian gering. Wer sich unbedingt den Löwen vorwerfen lassen wollte, den versuchten die römischen Beamten mit Engelsgeduld davon abzuhalten.

Die mit Konstantin an die Macht gekommenen Christen erwiesen sich als intolerante Fanatiker und Totengräber der hoch entwickelten antiken Kultur. Sie verfolgten nichtchristliche Philosophen gnadenlos, schändeten Bauwerke und Statuen und vernichteten antike Texte, die nicht ins christliche Weltbild passten – wie etwa die Werke des Atomisten Demokrit, vom dem lediglich ein Schriftenverzeichnis existierte.

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