„Das Gespenst von Canterville“ im Hubertussaal

„Das Gespenst von Canterville“ in der Fassung von Dominik Wilgenbus

Gegen die Blutflecken hilft „Mr. Saubermanns Super-Fleck-weg“, gegen rasselnde Ketten „Anti-Rost-Öl“, und wenn das Gespenst gar zu schaurig stöhnt, hat man auch da ein Mittel im Angebot. Es ist lustig anzusehen und anzuhören, wie fröhlich pragmatisch die amerikanische Familie den Spuk des altenglischen Gespenstes von Canterville, einer Erfindung von Oscar Wilde, stets als lösbares Problem angreift.

Der Librettist und Regisseur Dominik Wilgenbus setzt in dieser Produktion der Kammeroper München auf einen musikalischen Fleckenteppich (ein „Pasticcio“): Der Geist versenkt sich in Alte Musik von John Dowland und Henry Purcell, die Vertreter der Neuen Welt, ein sehr genießbares Ensemble, aus dem die junge Sopranistin Elisabeth Freyhoff und der höhenstarke Tenor Patrik Hornák herausragen, trällern George Gershwin.

Fleckenreiniger gegen Blutlachen, Komik gegen Schrecken, Gershwins Reißer gegen Dowlands intime Lautenkunst: Das ist ein ungleicher Kampf. Und tatsächlich scheint im Nymphenburger Hubertussaal zunächst die laute Moderne, die in bunten Pyjamas und Tierpantoffeln auf der Bühne herumtrampelt, den Sieg davonzutragen (Kostüme: Uschi Haug/Bühne: Peter Engel).

Verzicht auf alle Vordergründigkeit

Doch so einfach macht es sich Wilgenbus nicht. Nach der Pause, in der man im sommerlichen Schlossgarten wandeln kann, steht der lang verblichene Sir Simon im Mittelpunkt. Thomas Lichtenecker verkörpert mit seinem schönen Countertenor, der nur leider oft zu tief eingesetzt wird, das Gespenst als die lebendigste Gestalt von allen, würdevoll, makaber, vor allem aber zutiefst traurig.

So kann die einfühlsamste der Amerikanerinnen, Flore van Meerssche als Virginia, mit ihrem betörend rein leuchtenden Soprangesang eine anrührende Beziehung zum Gespenst aufbauen, die zu seiner Erlösung führen wird. Ein weiterer Glanzpunkt des Ensembles ist die Schauspielerin Viola von der Burg, die ihre umwerfende Komik daraus zieht, dass sie die Haushälterin Mrs. Umney ernsthaft spielt: mit unterdrückt fassungsloser Mimik über die grelle neureiche Familie.

Quelle: Lesen Sie Vollen Artikel