Der Glaube wird zum Streitpunkt

Für Oliver Pocher und Vater Gerhard geht es in “Pocher und Papa auf Reisen” nach Thailand. Das Thema Religion führt schnell zum Streit.

Gerhard und Oliver Pocher am Flughafen

Gerhard “Gerd” Pocher (70), der seit 50 Jahren als Buchhalter arbeitet, ist der Gewissenhafte im Hause Pocher. Sein Sohn, Comedian Oliver Pocher (42), hingegen war in der Familie immer für eine Überraschung gut. So hat er sich auch jetzt eine besondere Idee für seinen Vater ausgedacht, der seit 46 Jahren mit seiner Frau Jutta verheiratet ist und im niedersächsischen Großburgwedel lebt: Der Comedian fliegt im Rahmen der zweiteiligen RTL-Doku “Pocher und Papa auf Reisen” (auch via TVNow) unter anderem mit ihm nach Thailand und hat dort jede Menge Aktionen geplant. Neben all dem Spaß, den sie unter thailändischer Sonne erleben, gibt es auch ernste Momente zwischen den beiden. Der größte Streitpunkt: Vater Gerd und seine Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas.

Auf der Reise, die im Januar und damit noch vor Corona-Zeiten stattfand, erlebt das Duo eine Premiere: Sie seien noch nie so lange alleine zusammen unterwegs gewesen, geschweige denn hätten in einem Bett genächtigt, schätzt Oliver Pocher. “Das wird eine Herausforderung, 14 Tage auf engstem Raum zu sein”, betont Gerd Pocher vor der Reise. Er erhoffe sich aber viele Gespräche mit seinem Sohn, zu denen sonst oft die Zeit fehle. Thailand fände er als Reiseziel super, da sei es wenigstens schön warm. Vom Flughafen Frankfurt aus geht das Abenteuer los.

Offenheit gegenüber anderen Religionen?

“Wir pflegen eher ein Kumpelverhältnis”, erklärt Pocher die Beziehung zu seinem Vater, der bereits eine etwas größere Nieren-Operation hinter sich gebracht hat. Der Comedian möchte deshalb die Zeit nutzen, in der sein Vater sich so eine große Reise noch zutraut. Nach 13 Stunden Flug kommt das Duo in Bangkok an. Schon bei der Begrüßung durch das Hotelpersonal, eine leichte Verbeugung mit gefalteten Händen, stellt Gerd Pocher etwas klar. Seit 38 Jahren sei er bei den Zeugen Jehovas. Er habe nichts gegen andere Religionen, würde sich in Thailand aber nicht an Gesprächen, Riten oder Zeremonien von Buddhismus beteiligen.

Eine Tuktuk-Fahrt wird zur ersten Herausforderung: Gerd Pocher setzt sich selbst hinters Steuer – für seinen Sohn legt er “miserable Fahrkünste” hin. Oliver Pocher wagt sich als Fahrer dann in den Straßenverkehr und zeigt sein Tuktuk-Fahrtalent. Ein chinesisches Restaurant nutzt das Vater-Sohn-Gespann für einen kulinarischen Stopp. Später geht es für die beiden ins Bangkoker Nachtleben und Oliver Pocher spendiert seinem Vater ein Taschengeld – das weckt alte Erinnerungen.

400 Mark musste Pocher von seinem 1.000-Mark-Gehalt als Versicherungskaufmann seinen Eltern als “Miete” abgeben. “Ich war noch nicht mal 18”, zeigt sich Pocher empört. “Wir sind bis heute der Meinung, dass die Kinder damit lernen, mit Geld umzugehen”, verteidigt sich sein Vater. Und noch etwas war besonders in Oliver Pochers Kindheit und Jugend: Die Zeugen Jehovas feiern keine Geburtstage und kein Weihnachten: “Geschenke von meinen Eltern hielten sich in Grenzen. Man kommt sich, in negativem Sinne, speziell vor”, erklärt Pocher, der seinen Kindern deshalb gerne Überraschungen macht.

Neben Travestiekünstlern auf der Bühne

Am zweiten Tag geht es für die beiden in eine Varieté- und Travestieshow, die sie nicht nur aus dem Publikum verfolgen, sondern auch auf die Bühne treten: “Ein, zwei Nummern” solle durch das Duo “aufgepeppt” werden, erklärt Oliver Pocher. Er glaubt fest an das Unterhaltungstalent seines Vaters – und er selbst kann von seinen “Let’s Dance”-Erfahrungen profitieren. Zwei Künstlerinnen der Show bringen ihnen die Tanzschritte der Bühnennummer bei, für die Darbietung schlüpfen die Männer dann noch in glitzernde Kostüme und lassen sich aufwändig schminken. Nach den beiden Auftritten inklusive Kostümwechsel ist Oliver Pocher mehr als stolz auf seinen Vater, den er zuvor nie kostümiert gesehen und der den Spaß ohne Widerworte mitgemacht habe. Erst am Ende wartet auf Gerd Pocher jedoch die Überraschung, dass er mit Travestiekünstlern auf der Bühne stand. “Das hat er bis heute nicht verarbeitet”, sagt sein Sohn rückblickend.

Massage mit Feuer führt zu Harmonie

Nächster Stopp: Chiang Mai. In einem buddhistischen Kloster will Oliver Pocher seinem Vater den Buddhismus näherbringen. Doch Gerd Pocher hat als Zeuge Jehova eine feste Überzeugung: Er werde kein Gotteshaus besuchen. Nach kurzer Diskussion macht sich nur Oliver Pocher auf den Weg in das Kloster, sein Vater tritt den Rückweg ins Hotel an und startet ein Alternativprogramm, was seinem Sohn schwerfällt, nachzuvollziehen – der vierte Tag, der erste Krach. Die beiden übernachten getrennt voneinander und Oliver Pocher meditiert und sammelt Essensspenden mit den Mönchen.

Als Oliver Pocher vier Jahre alt war, kamen seine Eltern mit der Religion erstmals in Berührung. In seiner Kindheit musste der Comedian laut eigenen Aussagen zu den Treffen und Kongressen der Gemeinschaft mit, musste sogar von Haus zu Haus gehen und die “Wachtturm”-Zeitschrift in der Fußgängerzone verteilen. Mit 18 Jahren wendete sich Oliver Pocher von der Gemeinschaft ab. “Wir werden da nicht mehr auf einen Nenner kommen”, weiß der Comedian. Wieder harmonischer läuft es bei der Feuermassage ab. “Die Reise läuft besser als gedacht”, resümiert Oliver Pocher ab der Hälfte des Urlaubs – trotz der Meinungsverschiedenheiten.

Ein weiteres Abenteuer für Vater Gerd, der zu seinen Marotten steht, wartet in einem Dorf im Hinterland: Eine Übernachtung komme für ihn nicht in Frage, betont er beim Begutachten der Toilette. “Ich habe es gerne sauber, ich möchte mir nichts holen”, erklärt er. Deshalb bleibt es bei einem Essen mit den Dorfbewohnern. Auf Kho Pha Nghan warten noch eine Jetskifahrt, Ziplining, eine Moonlight-Party, bei der die beiden als DJs auflegen, eine Yoga-Einheit und ein Thaibox-Training. Elf Tage Thailand gehen zu Ende und die positiven Momente überwiegen. “Für 70 ist er erstaunlich fit und wir sind uns wirklich näher gekommen”, sagt Oliver Pocher, sein Vater schätzt seine Zuvorkommenheit während der Reise – die hoffentlich auch auf dem nächsten Trip andauert – die Vereinigten Staaten von Amerika warten.

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