Ex-Neonazi Philip Schlaffer: So hat er den Ausstieg aus der rechten Szene geschafft

„Diese Gruppe ist wie Familienersatz“

Philip Schlaffer kommt aus der Nähe von Lübeck und wächst in einem bürgerlichen Elternhaus auf. Als er zehn Jahre alt ist, zieht die Familie nach England, kehrt jedoch drei Jahre später schon wieder nach Schleswig-Holstein zurück. Jedes Mal fühlt sich der heute 41-Jährige einsam: Er wird zum Außenseiter, das Verhältnis zu seinen Eltern ist schlecht. Anerkennung und Halt findet der Jugendliche damals in der rechtsradikalen Szene: “Da habe ich gesehen: Diese Gruppe ist ja wie Familienersatz. Wir können uns jeden Tag treffen, Bier trinken, abhängen. Und da wurde ich angefixt, wie eine Droge wurde die Gruppe für mich und hat mich 20 Jahre begleitet. Die Gruppe war alles für mich.”

Im Video schildert Philip Schlaffer, wie er früher tickte und wie er schließlich den Ausstieg geschafft hat.

Ein Leben voller Gewalt, Hass und Kriminalität

Rasch macht sich der Lübecker in der rechten Szene einen Namen. Er ist gewalttätig, kriminell, knüpft Kontakte zur NPD und vertreibt und produziert rechte Musik. Ab 2008 erweitert der damals 30-Jährige sein kriminelles Netzwerk: Neben der rechten Gewalt stehen Erpressung, Prostitution und Drogenhandel auf der Tagesordnung. Erst als er 2014 wegen Drogenhandels verhaftet und zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wird, beschließt Schlaffer, auszusteigen. Nach dem Ende der Haftstrafe holt er sich psychologische Hilfe, versöhnt sich mit seiner Familie und schafft schließlich den Ausstieg aus seinem früheren Leben.

Jugendliche vor rechtem Gedankengut warnen

Mit seiner Vergangenheit möchte der Schleswig-Holsteiner heute Jugendliche aufklären und somit verhindern, dass andere den gleichen Weg einschlagen. Im März veröffentlichte Philip Schlaffer seine Biografie “Hass. Macht. Gewalt.: Ein Ex-Nazi und Rotlicht-Rocker packt aus”. Darin erzählt er offen und authentisch über seine Vergangenheit. Auch auf seinem YouTube-Channel mit über 55.000 Followern postet der Lübecker regelmäßig Videos, in denen er über seine Zeit als Neonazi redet.

Der 41-Jährige war vor der Corona-Pandemie außerdem als ausgebildeter Anti-Gewalt-Trainer tätig und hielt Vorträge an Schulen. Besonders in diesen Zeiten, in denen im Netz vermehrt Verschwörungstheorien, Hetze und Hass kursieren, möchte Phillip Schlaffer mit seiner eigenen Geschichte warnen und Aufmerksamkeit vor dem gefährlichen Gedankengut des Rechtsextremismus schaffen.

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