Gene entscheiden, für wen Kaffee gesund ist und für wen nicht!

Kaffee ist nicht für jeden gesund

Ohne Kaffee läuft morgens bei vielen nichts. Nicht umsonst ist Kaffee das Lieblingsgetränk der Deutschen: 166 Liter Kaffee trinkt jeder durchschnittlich pro Jahr. Aber wussten Sie, dass Kaffee nicht bei jedem gleich wirkt? Wir erklären, warum Kaffee für manche Menschen gesund ist, während andere gar nicht von seinen vielen positiven Wirkungen auf unseren Körper profitieren.

Positive Effekte des Kaffees auf den Körper überwiegen deutlich

Lange Zeit wurde ein hoher Kaffeekonsum aufgrund seiner harntreibenden und blutdrucksteigernden Wirkung kritisch gesehen. Mittlerweile konnte durch zahlreiche Studien belegt werden, dass die positiven Effekte des Kaffees deutlich überwiegen:

Ein moderater Kaffeekonsum von bis zu fünf Tassen am Tag senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und Leberkrebs. Zudem wird vermutet, dass ein regelmäßiger Kaffeegenuss Diabetes, Parkinson, Alzheimer und auch Depressionen vorbeugen kann.

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Seine anregende Wirkung verdankt der Kaffee dem enthaltenen Koffein. Doch nicht jeder verträgt Koffein gleich gut – und das wiederum ist genetisch bedingt.

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Gendefekte können dafür sorgen, dass wir Koffein nicht gut vertragen

“Wissenschaftlichen Schätzungen zufolge leidet jeder Mensch unter mindestens 2.000 Gendefekten”, schreibt Molekularbiologe Dr. Daniel Wallerstorfer in seinem Buch “Die Macht der Gene”. Diese sorgten dafür, dass unser Immunsystem schlechter funktioniere, dass wir an Arthrose und Osteoporose erkranken und könnten Diabetes und Sehschwächen auslösen. Außerdem machten sie dick.

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Aber nicht nur das: Gendefekte sorgen auch dafür, dass manche Menschen das im Kaffee enthaltene Koffein schlechter vertragen als andere.

CYP1A2-Gen hat die Aufgabe, fremde Stoffe unschädlich zu machen

Bei Koffein handelt es sich streng genommen um ein Nervengift, das die Kaffeepflanze produziert, um sich vor Insekten zu schützen. Wallerstorfer schreibt, dass verschiedene Studien Anzeichen dafür geliefert hätten, “dass ein übermäßiger Konsum von Koffein die allgemeine Sterberate um 21 Prozent erhöht”. Der Grund: “Koffein kann den Blutdruck gefährlich nach oben treiben, sodass sich das Herzinfarktrisiko bei einem jungen Menschen mit Bluthochdruck fast vervierfachen kann. Außerdem fördert Koffein Gichtattacken, Schlaflosigkeit, Zysten, Kopfweh und Inkontinenz sowie Fehlgeburten, den Kollagenverlust in der Haut, Ängstlichkeit und Depression, Osteoporose und Unfruchtbarkeit”, so der Molekularbiologe weiter.

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Genug Gründe also, eigentlich die Finger von Koffein und Kaffee zu lassen. Doch glücklicher Weise verfügt unser Körper über eine Gegenwaffe: Das CYP1A2-Gen hat die Aufgabe, fremde Stoffe zu identifizieren und unschädlich zu machen – so auch das Nervengift Koffein.

Unterschiedliche Ausprägungen des Gens bedingen unterschiedliche Kaffeewirkung

Auch vom CYP1A2-Gen besitzt jeder Mensch zwei Exemplare – und bei 41 Prozent der Bevölkerung funktionieren auch beide, wie Wallerstorfer schreibt. Ihnen könne Koffein also nichts anhaben, da es dafür viel zu schnell wieder abgebaut sei. Wenn Sie also trotz eines Espressos oder Kaffees am Abend gut einschlafen können, gehören Sie vermutlich zu den oben genannten 41 Prozent.

43 Prozent der Bevölkerung verfügten über ein funktionierendes und ein defektes CYP1A2-Gen. Dies äußert sich laut Wallerstorfer darin, dass “sie Koffein deutlich langsamer abbauen”.

Und bei den übrigen 16 Prozent seien beide Exemplare defekt. “Solche Menschen spüren den aufputschenden Effekt von Kaffee besonders stark und besonders lange. Somit hat das Gift ausreichend Zeit, seine gesundheitsschädlichen Wirkungen zu entfalten”, erklärt der Experte. Diese Menschen sollten also tatsächlich auf den Genuss von Kaffee verzichten oder aber auf entkoffeinierten Kaffee umsteigen.

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Genanalyse gibt Aufschluss – oder das Befinden nach dem Kaffeekonsum

Doch woher weiß ich, welche der genannten Genvarianten ich besitze? Eine Möglichkeit, das herauszufinden, liegt in einer Genanalyse. Diese gibt Aufschluss darüber, ob und wie funktionstüchtig Ihre CYP1A2-Gene sind.

Eine andere Möglichkeit: Hören Sie auf Ihren Körper! “Wenn Sie nach einer Tasse Kaffee beispielsweise unter Herzrasen, Schwitzen, Zittern oder Übelkeit leiden, kann dies darauf hindeuten, dass Ihr Körper das enthaltene Koffein nicht schnell genug aufspalten kann”, erklärt Ernährungsexpertin Nora Rieder. “In dem Fall sollten Sie zunächst einmal auf Kaffee verzichten und ausprobieren, ob Sie entkoffeinierten Kaffee besser vertragen”, rät die Expertin. Im Zweifel sollten Sie besser koffeinhaltige Getränke verzichten.

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