GNTM-Kolumne: "Normalerweise muss man sowas nie machen" – Ach, echt, Heidi Klum?

von Claudia Spitzkowski

“Alle Meeedchen wollen hoch hinaus. Das unterstütze ich natürlich gerne”, sagt Heidi Klum zu Beginn von GNTM-Folge neun und wer sich ein bisschen mit dem Format auskennt, der ahnt, das meint sie ernst. Aber am Ende ist es völlig egal, ob man 50 Zentimeter über dem Boden schwebt oder 122 Meter – sagt Onkel Jochen. Das ist nämlich alles nur in unserem Kopf! Dann also, jetzt bitte die Sicherheitsgurte anlegen und die Rückenlehnen in eine aufrechte Position bringen, unser “LuftHansa und -Franza”-Flug startet in wenigen Augenblicken. Es wird Turbulenzen geben.

„Wer denkt sich bloß so was aus?“ Merkste was, Heidi?

Okay, ja, ich hatte in meiner Kolumne zu GNTM-Folge sieben bitter beklagt, dass es 2021 viel zu wenig Action bei “Germany’s next Topmodel” gibt. In den letzten Staffeln gab es in fast jeder Folge aufregende Challenges für Heidis Meeeedchen, in denen sie wahlweise durch die Luft flogen, durch brennenden Reifen springen oder so lange unter Wasser die Luft anhalten mussten, bis Heidi fertig damit war, die männlichen Aushilfs-Models abzuchecken. In eigentlich jeder Folge wurde hysterisch geschluchzt und geschrien. Hach, die guten alten GNTM-Zeiten. Corona bedingt ist diesbezüglich in Berlin eher tote Hose und außer Model-Loft und Catwalk haben wir von der Stadt noch nicht so viel gesehen.

Möglicherweise hat Heidi mein Klagen vernommen, denn in Folge neun sehen wir wirklich VIEL von Berlin. Zumindest von oben. Und ja, der Blick aus 122 Metern Höhe ist tatsächlich atemberaubend. Vor allem, wenn du an einem Gurt über den Straßenschluchten hängst und Heidi dich vorher hat über die Planke laufen lassen.

“Wer denkt sich bloß so was aus?”, sinniert die Model-Mama, mollig warm eingepackt und in sicherem Abstand zum Abgrund, während ihre Meedchen über den Straßenschluchten der Hauptstadt baumeln, dem eisigen Wind ausgesetzt. Ja, Heidi, wer kommt bloß auf solche Ideen? Zumal – und jetzt alle gut an den Sicherungsgurten festhalten, denn es kommt eine Knaller-Offenbarung, auf die wir NIEMALS zuvor gekommen wären! – Heidi in einem lichten Moment der Model-Selbstreflektion eingestehen muss: “Normalerweise muss man sowas auch nie machen … Außer bei uns.” Waaaas, all die Challenges bereiten die Meeeedchen gar nicht aufs echte Modelleben vor? Sollten sie möglicherweise nur Mittel zum Zweck sein, um den TV-Zuschauer beim Chips mümmeln bei der Stange zu halten? Seit der Erkenntnis, dass es den Weihnachtsmann und den Osterhasen nicht mehr gibt, war ich nicht mehr so enttäuscht.

Mit Jochen Schweizer menschelt's plötzlich am GNTM-Set

Ich weiß ja nicht, wie Heidi ihre Kinder großgezogen hat. Möglicherweise ist sie privat eine echte Helikopter-Mutter, die immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte von Leni und ihren Geschwistern hat. Als Model-Mama ist ihr hingegen jeglicher Kuschelkurs fremd. Mitleid oder Mitgefühl für die Meeedchen? Eher spärlich gesät. Umso irritierender der menschelnde Gastauftritt von Event-Unternehmer Jochen Schweizer in Folge neun.

Laut Wikipedia ist er “Pionier unter den Extremsportlern und Wegbereiter des Bungeespringens in Deutschland”. Bei GNTM wurde er dafür abgestellt, denn Meeedchen zu versichern, dass die Sicherungsgurte auch wirklich halte und dass es keinen Unterschied macht, ob man in 122 Metern an den Seilen baumelt oder nur 50 Zentimeter über dem Boden – alles reine Kopfsache. Sieh an.

Jedenfalls gab Jochen einen so lieben und verständnisvollen Onkel, dass nicht nur Ana nach einem Gespräch mit ihm völlig berauscht zurückblieb und in die Kamera flüsterte: “Der ist soooo nett!” I feel you, Ana. Kennt man sonst eigentlich gar nicht am GNTM-Set.

Mitgefühl und Menschlichkeit? Soweit kommt's noch bei GNTM!

Nett? Das wollen wir aber mal nicht einreißen lassen, dachte sich Heidi wohl und trat Jochens mit viel Sensibilität aufgebaute Vertrauens-Sandburgen hinter seinem Rücken direkt wieder ein. Der vor Angst schockstarren Linda, die sich wie eine Ertrinkende an ihren Gurten festklammerte, schmetterte sie ein fröhliches “Och, Linda, das Gesicht kannst du aber gleich nicht machen!” entgegen. Und ob der Satz “Ob es jetzt 122 Meter oder 123 Meter über dem Abgrund sind, ist am Ende egal” nun wirklich motivierend ist, um die eigene Angst zu überwinden, ist auch eher fraglich. Es klingt auch durchaus wie Hohn, wenn Heidi beim Anblick ihrer vor Panik und Kälte schlotternden Meeedchen in die Kamera sagt: “Das sähe bei mir genauso aus. Ich verstehe das.” Sprach’s und ließ den nächsten kreischenden Model-Lemming über den Abgrund hüpfen.

Übrigens all das für Fotos, die am Ende aussahen, als hätte jemand die Models einfach per Photoshop in den Himmel über Berlin geklebt. Und dafür der ganze Aufriss? Wird sich sicher auch Linda gedacht haben, die die Challenge einfach nicht gepackt hat. Und wer nicht mitspielt, der bekommt auch kein Foto, denn da hört Heidis Verständnis auf. Abgang Linda.

Die sich zumindest damit motiviert, es immerhin “in die Top 14 geschafft” zu haben – und das müsse ihr schließlich erstmal einer nachmachen. Sie sollte ihren Ruhm genießen, der vermutlich nicht die Länge einer ihrer geliebten Zigaretten überdauert. Denn Linda, mal unter uns: Es soll schon vorgekommen sein, dass selbst Meeedchen, die es in die Top 3 geschafft haben, nicht automatisch zu Weltruhm gekommen sind. Von den GNTM-Siegerinnen mal ganz zu schweigen.

Im Video: Was wurde eigentlich aus den GNTM-Siegerinnen der letzten Staffeln?


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