Gut informiert in die Lehre starten

In manchen Lehrbetrieben gibt es Probleme – wie geht mandamit um?

Die Umstellung von der Schule auf die Arbeitswelt ist immergroß und die neuen Herausforderungen in der Lehre sind meist sehr anspruchsvoll.Nicht immer läuft dabei alles rund. Laut aktuellem österreichischenLehrlingsmonitor von Gewerkschaftsbund, Gewerkschaftsjugend und Arbeiterkammersind etwa zwei Drittel der Lehrlinge sehr zufrieden in der Lehre, bei etwaeinem Drittel kommt es jedoch zu Problemen. Um die Lehrlinge in solchen Fällenzu unterstützen, dafür sind die Experten der Lehrlings- und Jugendabteilung derAK Vorarlberg zur Stelle.

Rechte und Pflichten kennen

Eines vorweg: Als Lehrling ist man automatisch Mitglied derArbeiterkammer. Sie ist die gesetzliche Interessenvertretung allerArbeitnehmer, informiert über die Rechte und Pflichten als Lehrling, berät beiProblemen in der Ausbildung und sucht gemeinsam mit den Betroffenen nachLösungen.

Offene Fragen klären

Mit der Lehre startet man in einen neuen Lebensabschnitt.Damit sich die Lehrlinge auf ihrem Weg auch zurechtfinden, hat die AKVorarlberg einige wichtige Antworten auf möglicherweise problematische Fragenzur Lehre zusammengefasst.

Was muss der Lehrvertrag enthalten?

Im Lehrvertrag müssen auf jeden Fall der Lehrberuf und dieDauer der Lehrzeit aufgeführt werden. Außerdem ist der Lehrberechtigte dazuverpflichtet, den Vertrag innerhalb von drei Wochen nach Ausbildungsbeginn beider Wirtschaftskammer anzumelden.

Wie lange dauert meine Probezeit?

Grundsätzlich befindet man sich während der ersten dreiMonate des Lehrverhältnisses in der Probezeit. Während dieser Zeit kann derLehrvertrag vom Lehrling oder vom Lehrbetrieb jederzeit aufgelöst werden – ohneEinhaltung einer Kündigungsfrist und ohne einen Grund angeben zu müssen. DieAuflösung muss allerdings schriftlich erfolgen. Minderjährige Lehrlingebenötigen außerdem die Zustimmung der Eltern. 

Wie hoch muss die Lehrlingsentschädigung sein?

Wie viel der Lehrbetrieb dem/der Auszubildenden anLehrlingsentschädigung zahlen muss, ist im Kollektivvertrag geregelt – ebensodas Weihnachts- und Urlaubsgeld. Es ist aber möglich, dass es für den Lehrberufkeinen Kollektivvertrag gibt, beziehungsweise dass keine Entlohnung festgelegtwurde. In diesem Fall muss die Höhe der Lehrlingsentschädigung sowie dieSonderzahlungen mit dem Lehrberechtigten vereinbart werden. Wichtig: DieVereinbarung sollte auf jeden Fall schriftlich im Lehrvertrag festgehaltenwerden! Außerdem ist der Ausbildungsbetrieb dazu verpflichtet, dem Lehrlingmonatlich einen Lohnzettel zu geben. Auf diesem müssen auch die Überstunden,Zulagen, Sonderzahlungen sowie Abzüge aufgeführt werden. 

Wie lange muss eine/ein Auszubildende(r) arbeiten?

Lehrlinge unter 18 Jahren dürfen grundsätzlich acht Stundentäglich beziehungsweise 40 Stunden in der Woche arbeiten. Pro Arbeitstag stehtihnen spätestens nach sechs Arbeitsstunden mindestens eine halbe Stunde Pausezu. An Sonn- und Feiertagen gilt Arbeitsverbot – außer im Gastgewerbe. Aufjeden Fall sollte dokumentiert werden, wann man gearbeitet beziehungsweise wannman Pausen gemacht hat! Bei der AK Vorarlberg bekommt man dafür einenArbeitszeitkalender. 

Wie viele Überstunden darf ein Lehrling machen?

Als Lehrling darf man erst ab dem 18. Geburtstag Überstundenmachen. Sogenannte Vor- und Abschlussarbeiten sind allerdings erlaubt. Einehalbe Stunde täglich, maximal drei Stunden in der Woche. Für diese Mehrarbeitmuss man spätestens in der darauf folgenden Woche Zeitausgleich bekommen. Machtman trotzdem Überstunden, muss der Lehrbeauftragte diese auch auszahlen. Eskann auch ein Zeitausgleich vereinbart werden. Pro Stunde erhält man dann 1,5Stunden Zeitausgleich. 

Wie viel Urlaub steht einem Lehrling zu?

Personen in Ausbildung haben Anspruch auf fünf Wochen Urlaubim Jahr. Zwischen 15. Juni und 15. September stehen ihnen grundsätzlich zweiWochen zu. Am besten vereinbart man den Urlaub schriftlich mit demLehrberechtigten. Die Lehrlingsentschädigung muss dem Lehrling während dieserZeit weiterbezahlt werden. Für Bauarbeiter gibt es eigeneUrlaubsbestimmungen. 

Bei Problemen Unterstützung holen

Jugendliche in einer Lehrausbildung sollten sich vorab gut über die Rechtslage informieren. Denn gut gerüstet, kann oft schon ein persönliches Gespräch mit dem Vorgesetzten, dem Lehrlingsbeauftragten im Betrieb oder dem Betriebsrat ausreichen, um Probleme zu lösen.

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