Programm des NS-Dokuzentrums: Erinnerung leben

München – Eigentlich hatte Mirjam Zadoff, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums, gehofft, ihr Haus zwischen Karolinen- und Königsplatz Anfang März wieder öffnen zu können. Daraus wird erst einmal nichts, die Situation bleibt ungewiss.

Darum entschied man, das umfangreiche Programm des Lern- und Erinnerungsortes auf einer Online-Pressekonferenz vorzustellen. Was nicht zuletzt deshalb Sinn macht, weil weite Teile des Programmes mit Streamings, Webinaren und Podcasts ohnehin bereits ins Digitale gerutscht sind – und für Mitte 2021 ist auch der Relaunch der Website geplant.

Im Fokus: Nachlass von Heimrad Bäcker

Eine Projektion an der Fassade macht aber vorerst allabendlich auf die Schau aufmerksam, die im Inneren des Hauses auf Eröffnung wartet: Unter dem Titel “es kann sein, dass man uns nicht töten wird und uns erlauben wird, zu leben” wird der Nachlass des österreichischen Schriftstellers und Verlegers Heimrad Bäcker (1925-2003) präsentiert, der unter anderem das KZ Mauthausen mit der Kamera erkundete. Zu lesen sind an der Fassade Text-Fragmente seiner literarischen Found-Footage-Collagen.

Präsentation in Juni: “Das Ende der Zeitzeugenschaft”

Die Schwerpunktthemen des Ausstellungsjahres 2021 sind “Zeitzeugenschaft”, der “Umgang mit historischen Orten” sowie “Kommunikation im öffentlichen Raum”. Unter dem letztgenannten Punkt geht es auch um die Auseinandersetzung mit Verschwörungstheorien und rechtsextremem Gedankengut, das auf Demonstrationen der Corona-Leugner sichtbar wird.

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In diesem Kontext steht auch die Schau “On Tyranny. Zwanzig Lektionen für den Widerstand” auf Basis von Timothy Snyders gleichnamigem Buch, die ab 15. September Handlungsstrategien im Sinne einer “wehrhaften Demokratie” gegen Rechts aufzeigt.

Zuvor aber, bereits am 23. Juni, soll die Präsentation “Das Ende der Zeitzeugenschaft” eröffnet werden. Weil nur noch wenige Verfolgte des NS-Regimes aus eigener Erfahrung über den Holocaust sprechen können – wie etwa der 88-jährige Ernst Grube, Münchner Überlebender des KZs Theresienstadt -, wird das Bewahren ihrer Erinnerung anhand literarischer und filmischer Zeugnisse für kommende Generationen immer wichtiger.

Mahnmal für die verbrannten Bücher wird eingeweiht

Ein zentraler Termin ist die Einweihung des Mahnmals für die verbrannten Bücher auf dem Königsplatz, die für den Jahrestag der ersten Bücherverbrennung durch die Hitlerjugend am 6. Mai geplant ist: Der Künstler Arnold Dreyblatt gewann 2016 den Wettbewerb mit der Idee, in die Kiesfläche vor der Antikensammlung eine gläserne Scheibe (Durchmesser: acht Meter) in den Boden einzulassen, Titel “Die Schwarze Liste”. Sie umfasst rund 9.600 Buchstaben die Titel von 359 verfemten und verbrannten Werken.

Als Erinnerungsorte der Geschichte Münchens im Nationalsozialismus wiederum werden das ehemalige Zwangsarbeiterlager in Neuaubing – wo eine Gedenkstätte geplant ist – sowie das einstige Barackenlager in Milbertshofen im Fokus stehen, von wo aus erstmals 1941 Münchner Juden in die Vernichtungslager deportiert wurden. Ab 1. Dezember schließlich folgt “Fotografie plus Dynamit”, eine umfassende Retrospektive mit den Foto-Montagen und Collagen des großen Polit-Künstlers John Heartfield.

www.ns-dokuzentrum-muenchen.de

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