So gelingt ein gutes Kompliment

Wer jemandem ein Kompliment macht, hat eigentlich die Absicht, dem anderen zu schmeicheln und ein positives Gefühl zu vermitteln. Doch leider kann ein gut gemeintes Kompliment beim Gegenüber ganz anders herüberkommen. In ihrem Buch "Im Dschungel des menschlichen Miteinanders – ein Knigge für das 21. Jahrhundert" (Goldmann) berichten die Autorinnen Henriette Kuhrt und Sarah Paulsen davon, wie Schmeicheleien schnell ins Gegenteil umschlagen können.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erklären die Frauen, wie sich das Komplimente-machen vor allem nach Debatten um #MeToo geändert hat. Denn: "#MeToo war ein Meilenstein im Umgang zwischen Männern und Frauen", sind Kuhrt und Paulsen überzeugt. "Es war überfällig, dass sexistische Kommentare – Komplimente kann man es ja kaum nennen – als das enttarnt wurden, was sie sind: ein Machtinstrument, das dem einem das Recht gibt, über den anderen zu urteilen – und zwar auf der Basis der sexuellen Attraktivität."

Wer sollte wem Komplimente machen?

Komplimente seien nicht per se herabwürdigend, "sondern das Konfetti des Alltags, darum sollten wir sie bloß nicht abschaffen", finden die beiden Autorinnen. "Im Gegenteil: Frauen könnten anfangen, Männern Komplimente zu machen." Das erfordere Mut, wissen die beiden. Denn durch ein Kompliment würde man sich "eben auch angreifbar" machen.

Aber nicht nur Frauen und Männer sollten sich etwas Nettes sagen, raten Kuhrt und Paulsen: "Komplimente sind nicht nur Teil des Balzverhaltens, auch Angehörige des gleichen Geschlechtes verdienen welche – darin sind Frauen übrigens geübter als Männer. Es sollte weniger darum gehen, Opfer oder Täter des männlichen Blickes zu sein, sondern darum, anderen eine Freude zu machen." Je mehr Anerkennung durch den Alltag flottiere, "desto besser für uns alle".

Worauf sollte man beim Komplimente machen achten?

Kuhrt und Paulsen warnen: "Alle sollten aus den früheren Fehlern der Männer lernen: Anzügliche Sprüche über gut sitzende Hosen werden auch nicht besser, wenn sie von einer Frau kommen. Wir empfehlen deshalb, nicht grundsätzlich davon auszugehen, dass sich jeder über jeden Kommentar freut, sondern gerade bei Personen, die man nicht kennt, zurückhaltend zu sein." Die Autorinnen erklären das anhand einer einfachen Merkregel: "Was ich nicht anfassen darf, darf ich auch nicht kommentieren."

Sie empfehlen deshalb, keine Kommentare über das Aussehen eines Menschen zu machen, es sei denn, er käme von selbst auf das Thema. Doch auf was sollten sich lieb gemeinte Worte dann beziehen? "Wenn man Kompetenzen, Geschmack oder Kinder lobt, bewegt man sich eigentlich immer auf sicherem Terrain", sagen Kuhrt und Paulsen. "Deshalb sollte man auch immer seine Motive hinterfragen, nämlich: Was will ich damit erreichen? Einen günstigeren Preis für das Auto bekommen, eine Beförderung, jemanden ins Bett quatschen? Von schmierigen Strategiekomplimenten sollte man lieber Abstand nehmen."

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