Start von "Promi Big Brother": Jeremy Fragrance zettelt gleich den ersten Streit an

  • 15 Promis, ein Haus und dutzende Kameras. Die zehnte Staffel von „Promi Big Brother“ klingt auf dem Papier wie ganz normales Trash-TV.
  • Seit der ersten Folge am Freitagabend wissen wir, dass mehr dahinter steckt: Ein Boxpromoter, den man „The Brain“ nennt, ein Workaholic-Nacktmodel, ein Schnecken-Rennen und ein Parfüm-Influencer im Sendungswahn.
  • Der Staffel-Auftakt im Überblick.

Eine KritikvonChristian Vock

Diese Kritik stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Kennen Sie noch Natalia Osada? Nein? Percival Duke-Hall? Auch nicht? Keine Sorge, ist völlig wurscht. Wichtig ist nur, dass die beiden vor neun Jahren bei der ersten Staffel „Promi Big Brother“ dabei waren und wer trotz neun Jahren „Promi Big Brother“-Gucken noch einigermaßen bei klarem Verstand ist, kann nachrechnen, dass die Show damit in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum feiert.

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Nun könnte man meinen, dass Sat.1 anlässlich dieses Jubiläums ordentlich auf die Sahne klopft und sich, sagen wir einmal, einen echten Promi im Container gönnt. Macht man aber nicht, stattdessen gibt es auch in Staffel zehn die übliche Mischung aus ehemals Prominenten, Halbprominenten und Fastprominenten, der Rest wird einfach mit Influencern aufgeschüttet.

Aber, das lehrt die Erfahrung, Prominenz ist nicht zwingend die Messgröße für Shows wie „Promi Big Brother“. Denn erstens könnte man sonst keine abgestandenen Z-Promi-Kalauer mehr reißen und zweitens ist der Unterhaltungswert der Kandidaten wichtiger als deren Prominenz. Und hier, so viel sei verraten, hat Sat.1 2022 ein gutes Händchen bei der Auswahl der Bewohner bewiesen. Der Showauftakt im Überblick.

Das „Big Brother Haus“

„Haus“ ist an dieser Stelle ein bisschen zu viel gesagt, denn zum Start besteht das „Haus“ zunächst nur aus einem Dachboden und einer Garage. Auf diese beiden Räume hat man die ersten zehn Promis aufgeteilt, die bereits vor zwei Tagen eingezogen sind. Der Clou: Keiner der Promis weiß, ob er nun im „guten“ oder im „schlechten“ Bereich gelandet ist, denn weder Dachboden noch Garage sind besonders gemütlich. Clou Nummer zwei: Später wird noch ein luxuriöser Loft-Bereich freigeschaltet.

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Die Bewohner

Team Dachboden besteht zunächst aus Sänger Jay Khan, Reality-TV-Teilnehmerin Jennifer Iglesias, Parfüm-Influencer Jeremy Fragrance, Reality-TV-Teilnehmer Sam Dylan und Reality-TV-Teilnehmerin Walentina Doronina. Zwei Tage später stoßen Schauspielerin Katy Karrenbauer, Entertainer Jörg Knörr und TV-Versicherungsdetektiv Patrick Hufen dazu.

Im Team Garage sind zu Beginn Trash-TV-Teilnehmer Menderes Bağcı, Nacktmodel Micaela Schäfer, Homeshopping-Anpreiserin Tanja Tischewitsch, Homeshopping-Moderatorin Diana Schell und Box-Promoter Rainer Gottwald. Sie werden am Freitagabend durch Sport-Kommentator Jörg Dahlmann und Sängerin Doreen Steinert komplettiert.

Die Siegprämie:

100.000 Euro. Und ein Pokal. Und vielleicht endlich ein Wikipedia-Eintrag.

Der erste Nackt-Auftritt:

Die Quoten, dass Micaela Schäfer als Erste blank zieht, dürften sehr, sehr niedrig gewesen sein, schließlich gehört Schäfer zu den nacktaktiven Prominenten. Dass Sat.1 aber glaubt, den Zuschauer bereits in der Vorschau mit Schäfers blanken Busen konfrontieren zu müssen, war dann doch überraschend. Zwar ist klar, dass man Schäfer deshalb und sehr wahrscheinlich nur deshalb gebucht hat, aber die neun Minuten bis die komplette Szene gezeigt wird, hätte man auch noch warten können.

So oder so scheint Schäfers Geschäftsmodell bei Sat.1 immer noch Anklang zu finden und die 39-Jährige hat trotz Inflation noch einmal in das eigene Unternehmen investiert: „Ich hab natürlich wieder neue Brüste im Gepäck“, erzählt Schäfer und ganz offensichtlich gehört es zum Berufsbild des Nacktmodels, so oft es geht und auch unaufgefordert zu arbeiten. Kennt man zum Glück von anderen Berufen nicht so. Man denke nur an Boxer. Oder Bestatter.

Der Streit des Abends:

„Ich bin nicht hier, um Freunde zu finden“, erklärt Walentina Dobronina und haut damit die wohl häufigste Trash-TV-Floskel gleich nach „Ich will den Leuten zeigen, wie ich wirklich bin“ raus. Tatsächlich meint „nicht hier, um Freunde zu finden“ oft genug „hier, um Feinde zu suchen“ und diese Suche dauert bei Dobronina nicht lange.

Jeremy Fragrance hat sich bereits nach wenigen Minuten mit seinem Faible für wirre und selbstverliebte Dauermonologe einige Sympathien verspielt, doch Dobroninas vollständigen Zorn sollte er erst mit der Weigerung auf sich ziehen, die von der Produktion für alle vorbereiteten Altkleider anzuziehen. Er bestehe darauf, so Daniel Schütz, wie der Influencer eigentlich heißt, seinen weißen Anzug anzubehalten, weil das sein „Signature-Look“ sei.

In seiner selbst gezimmerten Welt aus Geld, Style und Reichweite mag das vielleicht sogar einen Sinn ergeben, aber dass der Gruppe durch diese Weigerung womöglich Konsequenzen drohen, bringt Dobronina auf die Palme. Vom „Du“ ist es ein kurzer Weg zum „Du Arschloch“ und weil ihr Fragrance schon kurz nach dem Kennenlernen irgendwie unheimlich ist, zieht sie kurzerhand einen Vergleich zu US-Serienmörder Jeffrey Dahmer. Kurzum: Aus dieser Ecke ist noch viel Unschönes zu erwarten.

Der demütigendste Augenblick des Abends:

Dass demütigende Spiele zu „Promi Big Brother“ gehören ist bekannt, doch in puncto Demütigung geht Sat.1 gleich in der ersten Ausgabe bereits in die Vollen. Team Garage muss sich in hautenge Einteiler schießen, eine Badekappe mit Fühlern auf den Kopf und ein Schneckenhaus auf den Rücken schnallen und anschließend mit den Händen auf dem Rücken bäuchlings über eine Schleimbahn kriechen.

Das ist ästhetisch wie intellektuell gesehen ein Debakel und sollten jemals Außerirdische auf der Erde landen und fragen „Und, was geht bei euch so?“, wird man Einiges zu erklären haben. Relativ schnell ist dann aber auch schon die Luft bei allen raus; bei den sich windenden Promis, den Zuschauern und auch bei Jan Stecker, der den Schnecken-Schrecken irgendwie kommentieren soll.

Die Zitate des Abends:

„Die haben ja nicht mal richtig Sitzgemütlichkeiten!“ Tanja Tischewitsch über die Einrichtung der Garage.

„Also könntest du Big Brother auch kaufen?“ Sam Dylan, als ihm Jeremy Fragrance sein Honorar für eine einfache Parfüm-Empfehlung verrät.

„Ich habe vom Kochen so viel Ahnung wie Boris Becker von Steuererklärungen.“ Micaela Schäfer über ihre Talente.

„Du weißt schon viel. So ein bisschen wie Google.“ Walentina Dobronina nach einem Jeremy-Fragrance-Monolog.

Und sonst so?

Nach dem Schnecken-Spiel glauben alle aus Team Garage, dass Verlierer Rainer Gottwald nun nach Hause fahren muss. Doch zu seiner eigenen Überraschung findet sich Gottwald nach seiner Verabschiedung nicht im öffentlichen Nahverkehr wieder, sondern in einem dritten Bereich, dem Luxus-Loft.

Jay Khan hingegen wird per Zuschauer-Abstimmung vom Dachboden in die Garage geschickt, wo er alle Kandidaten aus Team Garage über die anderen Kandidaten und die Lebensbedingungen auf dem Dachboden aufklärt. Bisher wusste man ja noch nichts voneinander.

Rainer Gottwald stellt sich wie alle anderen Kandidaten selbst vor und erklärt dabei: „Man nennt mich ‚The Brain‘.“ Warum man das macht, wer „man“ ist und welche Konsequenzen das hat, erklärt Gottwald leider nicht.

Kurzum: Es sind genug Promis mit reichlich Selbstdarstellungsbedürfnis dabei. Die Jubiläumsstaffel hat für den Zuschauer also sowohl das Potenzial, sich vor dem Bildschirm kaputt zu lachen als auch dabei zuzusehen, wie sich die Kandidaten gegenseitig zerfleischen. Oder wie es Micaela Schäfer in einem fast schon philosophischen Moment mit Menderes formuliert: „Wir haben auch unsere Daseinsberechtigung.“

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