The Staves: Der schöne Sound der gleichen Gene

Der Gesang der “Staves” klingt übernatürlich schön, und das hat nur allzu natürliche Gründe. Genauer gesagt: genetische Gründe. Die Stimmen der drei Schwestern Jessica, Emily und Camilla Staveley-Taylor klingen nicht nur wunderbar, sondern fast identisch. Manchmal wisse sie beim Anhören der Aufnahmen selbst nicht, welche der drei Stimmen ihre ist, sagte Jessica Staveley-Taylor kürzlich im Deutschlandfunk Kultur. Das Ergebnis ist ein ganz besonderer, zauberhafter Klang.

Kreative Pause nach dem Tod der Mutter

Der betörte schon Produzent Adam Cohen, der die drei auf dem posthum fertiggestellten letzten Album seines Vater Leonard Cohen als Chor singen ließ. Und auch Bon Iver, der 2015 ein Album der Staves produzierte. Deren letzte Platte, aufgenommen mit dem Kammerensemble yMusic, erschien vor inzwischen dreieinhalb Jahren, nun haben die Schwestern aus dem englischen Watford “Good Woman” vorgelegt.

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Es war schon früher geplant, doch nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter im Jahr 2018 ließen sie die Arbeit lange ruhen. Danach engagierten sie den Rockproduzenten John Congleton, der sich ihrer zarten Singer-Songwriter-Musik mit frischem Blick von außen nähern sollte. Und der Produzent von St. Vincent und Sharon Van Etton lässt die Staves ungleich wuchtiger und zeitgebundener klingen: “Good Woman” hat einen modernen Rocksound, ohne ein Rockalbum zu sein.

Der stark komprimierte, überproduzierte Klang überlagert den Gesang der Schwestern oft auf unnötige Weise. Die Industrial-Kulisse auf “Careful, Kid” wirkt gar wie der größtmögliche Gegensatz dazu, und auch sonst lenken schwere Trommeln und manches Synthie-Gezirpe nur von der Hauptsache ab, dem Gesang eben. So klingt die wunderbare Schlussballade “Waiting On Me To Change” in einer akustischen Live-Version auf Youtube noch bewegender als auf der Platte.

Gutes Album mit vielen Balladen

Trotzdem ist “Good Woman” ein gutes Album. Zwar reihen sich fast nur Balladen aneinander, weshalb das Werk im letzten Drittel an Spannung verliert. Doch viele Songs sind toll, allen voran das leichtfüßige, fröhliche “Best Friend” mit seinem flotten Beat und die toll arrangierte Ballade “Nothing’s Gonna Happen”, in der ein zurückhaltender Bläsersatz kunstvoll in eine klagende Pedal-Steel-Note übergeht.

Über allem schwebt der oft raffinierte Satzgesang der Schwestern, doch der ist eben nicht ihr einziges Talent: Sie können auch sehr schöne Musik komponieren.

The Staves: “Good Woman” (erschienen bei Warner)

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