Glänzendes Comeback und Hommage an die 2000er

“Ich habe ein kompliziertes Verhältnis zu Mikrofonständern”, sagt Sänger Julian Casablancas nach dem Konzert seiner Band The Strokes am Freitagabend in Berlin. Das war ansonsten vollkommen unkompliziert.

Nach knapp 14 Jahren gaben sich vier Indie-Rocker von The Strokes mal wieder in Deutschland die Ehre – und die gesamte Columbiahalle brodelte. Die Künstler versprühten eine für ihre Verhältnisse besondere Energie. Oft genug hatte Julian Casablancas seinen Mikrofonständer durch die Luft fliegen lassen, ist auf Lautsprechern geturnt und ins Schlagzeug oder gegen Kameras geknallt. 

Eine Band wie The Strokes lebt vom Mythos des Unvorhersehbaren. Ohne große Vorwarnung haben die US-Rocker ein exklusives Konzert in Berlin gegeben und ein neues Album angekündigt. In der ausverkauften Columbiahalle spielten sich die New Yorker am Valentinstag durch ihr Repertoire und garnierten die Show mit ausgewählten Stücken des neuen Langspielers.

Strokes-Comeback – eine Hommage an die 2000er

Das Publikum schob und drückte sich durch die Halle. Schon während des zweiten Songs “You Only Live Once” musste der erste weibliche Fan aus der brodelnden Menge gezogen werden. Mosh-Pits wurden eröffnet und Refrains mitgesungen, als wären zwischen dem als Rettung des Rock’n’Roll gefeierten Debüts der Band aus dem Jahr 2001 und heute nicht knapp 20 Jahre vergangen. Der Abend glich einer Hommage an die 2000er, in denen der Indie-Rock seine Auferstehung erlebte. 

“Ich will, dass ihr mir die Scheiße aus dem Leib prügelt”, bat Casablancas, bevor die Band dann mit der Indie-Hymne “Last Night” abhob. Schon weit vorher im Set gab es allerdings kein Halten mehr, weder auf den Rängen noch vor der Bühne.

Erst zehn Tage vor dem Konzert in Berlin konnten Fans Karten kaufen, die dann laut Veranstalter auch innerhalb von Minuten vergriffen waren. Noch am gleichen Tag wurde auf diversen Ticketbörsen mindestens das Doppelte des Einkaufspreises verlangt. 

Mit Starproduzent Rick Rubin zurück auf den Indie-Thron

“The New Abnormal” soll nun am 10. April erscheinen. Es ist das erste Album der Strokes seit sieben Jahren und wurde aufgenommen von Starpoduzent Rick Rubin. Der hat sich schon häufiger um Künstler gekümmert, die etwas in die Jahre gekommen waren oder sich wieder einen unmittelbareren Sound wünschten. Laut wird es meist bei dem legendären Produzenten – der Hörer soll denken, er stehe direkt im Proberaum.

Als Artwork hat die Band Jean-Michel Basquiats “Bird on Money” aus dem Jahr 1981 gewählt. Wie Basquiat, haftet den Strokes noch immer der bittersüße Ruf als Enfants terrible der New Yorker Szene an.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Senator Bernie Sanders am Montag in New Hampshire hatte die Band ihre erste Album-Single “At the Door” vorgestellt. Gegen Ende der Show kam es hier zu einer tollen Szene: Der im bunten Comic-Anzug gekleidete Casablancas holte während des Abräumers “New York City Cops” Teile des feiernden Publikums auf die Bühne. Während der entscheidenden Songzeile “New York City Cops, ain’t too smart” (Deutsch: New Yorker Polizisten sind nicht besonders schlau) stieß Casablancas dann zwischen tanzenden Fans mit echten Polizisten zusammen, die hier offensichtlich für Ruhe sorgen wollten, wie auf Videos zu sehen war.

Trennung von Reichtum und Macht als Hauptproblem unserer Zeit

Bei einem dpa-Gespräch nach dem Konzert in Berlin sagte Casablancas, auf Sanders angesprochen: “Ich glaube, er ist die einzig tragbare Person, der Einzige, dem man vertrauen kann. Er ist nicht Teil des Problems. Die Trennung von Reichtum und Macht ist so etwas wie das Hauptproblem unserer Zeit. Oder der Zukunft, wenn es nicht schon zu spät ist. Und diejenigen, die das nicht sehen, können sich selbst ficken.”

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Nach Berlin stehen für Julian Casablancas, die Gitarristen Nick Valensi und Albert Hammond Jr., Bassist Nikolai Fraiture und Drummer Fabrizio Moretti erstmal nur zwei weitere Konzerte im Februar an – am 18. Februar in Paris und und am 24. Februar in Belfast. Später im Jahr sollen mehrere Festivals gespielt werden.

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