Er führte bei #allesdichtmachen-Aktion Regie

Er führte bei #allesdichtmachen-Aktion Regie

Regisseur ist für die Clips verantwortlich

Rund 50 prominente Film- und Fernsehschauspieler sorgen mit einer großangelegten Internetaktion unter dem Motto #allesdichtmachen für Aufsehen. Künstler wie Ulrich Tukur, Volker Bruch, Meret Becker, Ulrike Folkerts, Richy Müller, Heike Makatsch, Jan Josef Liefers und viele weitere verbreiteten am Donnerstag (22. April) bei Instagram und auf der Videoplattform Youtube gleichzeitig ironisch-satirische Clips mit persönlichen Statements zur Corona-Politik der Bundesregierung.

Diese Aktion sorgt nicht bei allen für regen Applaus und erntet ordentlich Kritik. Doch wer ist eigentlich für die Idee verantwortlich? Regisseur Dietrich Brüggemann, der auch schon für den „Tatort“ Regie führte, entwickelte die Idee mit den einzelnen Clips, die hohe Wellen schlug. In einem Interview gegenüber „ntv“ macht der Regisseur jetzt klar, dass er weiterhin hinter dem Projekt steht.

Fühlt sich Regisseur Dietrich Brüggemann missverstanden?

Nach der großen Kritik an der Aktion haben sich einige Schauspieler bereits klar von der „#allesdichtmachen“-Aktion distanziert. Nicht so Schauspieler Jan Josef Liefers. Er machte schon am Freitagabend (23.04.) in einer Talkshow klar, dass er weiter hinter seinem Protest steht. Dem kann auch der Initiator der Aktion, Dietrich Brüggemann, nur beipflichten. Wie reagiert er aktuell auf die vielen Schlagzeilen? Fühlt er sich womöglich missverstanden? „Die Aktion wurde tatsächlich missverstanden, aber ich persönlich fühle mich nicht missverstanden. Ich habe damit gerechnet, dass sie missverstanden wird. Vielleicht ist es auch notwendig. Unser Land ist momentan so zwiegespalten, dass die Aktion von einem Teil der Leute überhaupt nicht verstanden werden kann. Sie fühlen sich davon ungeheuer vor den Kopf gestoßen, ins Gesicht geschlagen und so weiter. Es ist für sie unbegreiflich, wie man sowas machen kann. Wir leben in zwei völlig voneinander getrennten Sphären in diesem Land. Und der andere Teil hat uns sehr, sehr gut verstanden. Die E-Mail-Adresse der Seite wird überschüttet mit Nachrichten, 98 Prozent davon sagen ‘Danke’. Die andere Seite kennen Sie ja.“

„Wir stecken uns in eine Zwangsjacke!“

Wie erklärt sich der bekannte „Tatort“-Regisseur die Tatsache, dass so viele Menschen empört über die Videos sind? Handelt es sich dabei einfach nur um ein Missverständnis? Um diese Frage zu beantworten, muss Brüggemann etwas weiter ausholen: „Es heißt: ‘Jeder Covid-Tote ist einer zu viel’, diesen Satz können wir alle unterschreiben, oder? Das impliziert aber auch, dass wir gleichzeitig sagen, jeder andere Tote ist nicht einer zu viel. Wir haben eine gewisse Anzahl an Toten, die akzeptieren wir, nur Corona-Tote akzeptieren wir nicht. Das, was wir mit Corona machen, können wir mit allem machen. Wir können den Autoverkehr komplett einstellen, dann haben wir keine Verkehrstoten mehr. Wir könnten alle möglichen drakonischen Maßnahmen treffen, damit niemand mehr Krebs kriegt. Die Art, wie wir mit Corona umgehen, ist eine andere, als die, mit der wir mit dem Tod in unserer Gesellschaft generell umgehen. Natürlich müssten wir eigentlich sagen: Jeder Tote ist einer zu viel. Punkt. Niemand soll sterben.“

Und weiter sagt er: „Aber wir sterben alle irgendwann, also haben wir als Gesellschaft einen Modus gefunden, uns durch diesen Widerspruch so durchzulavieren. Wir gehen gewisse Risiken ein. Wir fahren Auto, aber wir haben ein Tempolimit. Wir trinken Schnaps, aber nicht jeden Tag. Und jetzt kommt Covid, und da spielen wir auf einmal nach anderen Regeln. Da heißt es auf einmal: Jeder Corona-Tote ist einer zu viel. Wir haben ein neues System. Wir müssen um jeden Preis Corona-Tote verhindern. Das ist das neue Paradigma unserer Gesellschaft. Gleichzeitig läuft das alte Paradigma aber weiter. An anderen Sachen darf man weiter sterben.“

Weiter unterscheidet Brüggemann: „Wir haben ein schizophrenes System aus zwei Regelwerken, und das führt dazu, dass wir uns absurden Regeln unterwerfen und uns etwas vorlügen und uns als Gesellschaft in eine Zwangsjacke stecken, was zu psychischen Verrenkungen führt. Wenn wir sagen, jeder Corona-Tote ist einer zu viel, dann können die Maßnahmen nie genug sein, und das kritisieren wir mit dieser Aktion.“

Der bekannte „Tatort“-Regisseur ist sich sicher: „Das führt dann irgendwann zum Exzess, den übersteigern wir, indem wir es nochmal viel weiter drehen. Die Message, die dabei rauskommen könnte, und das ist die bittere Wahrheit, ist: Dass es uns als Gesellschaft irgendwann gelingen muss, dass wir auch Corona in unser etabliertes, erprobtes Verhältnis zum Tod einbauen.“

Im Video: Jan Josef Liefers, Heike Makatsch und Co. machen bei #allesdichtmachen-Aktion mit

#Allesdichtmachen-Aktion löst Diskussionen aus


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