Mensch, Heidi, was bist zu plötzlich so still?

Mensch, Heidi, was bist zu plötzlich so still?

von Claudia Spitzkowski

Was haben wir in Folge 12 von GNTM 2021 gelernt? Bahnbrechendes! Wie zum Beispiel Heidi Klums erstes Gebot: „Ein Model ohne Job ist kein Model“. Lässt sich übrigens easy auch auf alle anderen Berufe anwenden, liebe Heidi. Eine Kolumnistin, die keine Kolumnen schreibt ist schließlich auch keine … Lassen wir das. Was gab es noch? Wir lernen eine ganz neue stille Seite von Heidi kennen – und das ist wörtlich gemeint. Nice. Und wir lernen, dass die reale Modewelt viel, viel härter als „Germany’s next Topmodel“ ist. Shocking! Warum ich so viele englische Wörter benutze? Damit Gast-Juror Thomas Hayo mich auch versteht. Let’s go!

Welches GNTM-Meeedchen trägt die Wassermelone am besten?

Puh, das war aber wirklich sehr nett von Heidi, dass sie ihren Meeedchen ein schickes Penthouse mitten in Berlin gemietet hat, damit ihre Top Ten es nicht so weit zu den Castings hat. Das bereitet sie allerdings wohl eher nicht aufs spätere Modelleben vor, das ja viel härter ist, als es jetzt bei GNTM den Eindruck macht. Sagt zumindest Heidi Klum. Übrigens dieselbe Heidi, die in Folge acht ihre Meeeedchen an dünnen Seilen 122 Meter über Berlin schweben ließ, großen Spaß bei diesem Anblick hatte und in einem kleinen, aber durchaus aussagekräftigen, Nebensatz erwähnte: „Normalerweise muss man sowas auch nie machen … Außer bei uns.“ Ganz mein Humor.

Ich würde mal sagen, gegen diesen Drahtseilakt damals waren die Castings in GNTM-Folge 12 ein Spaziergang. Immerhin riskiert man als Model weder durch das Tragen von übergroßen Sonnenbrillen, das dekorative Herumschwenken von Obst, noch durch den Versuch, sich so viele unsichtbare Haargummis und Haarspangen wie nur geht ins Haar zu friemeln, Leib und Leben. Höchstens seine Würde.

Thomas Hayo is back bei „Dschi Enn Tii Ämmm“

Gleich in diversen Castings mussten Alex Mariah, Romina, Dascha, Liliana, Soulin, Yasmin, Ana, Luca, Elisa und Ashley beweisen, dass sie den Job nicht nur wollen, sondern auch bekommen. Denn „Ein Model ohne Job ist kein Model“, zitiert Luca mit Angst erfüllter Stimme Model-Mama Heidi Klum.

Damit beim Casting-Prozess nichts schief geht, bekommen die Meeedchen Unterstützung von Thomas Hayo. Seines Zeichens Creative Director (was genau machen die nochmal hauptberuflich?), jahrelanger GNTM-Mitjuror und Meister der lässig eingestreuten Anglizismen. Immerhin lebt er ja auch in den USA und ist „extra aus New York eingeflogen“, zwitschert Heidi.

Thomas gehört bei „Dschi Enn Tii Ämmm“ praktisch zur “family“ und weiß genau, dass die Modebranche ein „business of rejection“ und alles eine Frage der „confidence“ ist. Hätte ich ein Trinkspiel aus jedem englischen Wort gemacht, das er in Folge 12 verwendet hat, hätte ich nicht bei klarem Bewusstsein erlebt, für wen Heidi denn nun am Ende „leider heute kein Foto hat“. Wer jetzt schon trinken möchte, Spoiler: für Elisa. Prost! Hicks!

Du wirst bei GNTM nicht gebucht? Liegt nicht an dir, echt!

Immer, wenn die Umschläge mit den Casting-Einladungen ins Model-Loft flattern und einige Meeedchen gar nicht erst antreten müssen, erinnert mich das an den Sportunterricht früher in der Schule, wenn man als Letzte noch auf der Bank saß und einfach nicht ins Volleyball-Team gewählt wurde. Im Rückblick kann ich sagen, dass ich das in meinem Fall nachvollziehen kann (an dieser Stelle nicht ganz so herzliche Grüße an meine ehemalige Sportlehrerin), aber weh hat es natürlich trotzdem getan. Noch schlimmer ist es da aber fast, wenn du „nie schlechte Kritik bekommst“ und „immer gelobt wirst“, aber trotzdem den Model-Job nicht bekommst. Das kann dann ja nur am Kunden liegen, findet Dascha. So nämlich!

Trotz dieses gesunden Selbstbewusstseins zweifelt sie in Folge 12 ausnahmsweise mal sehr an sich. Grundlos, wie sich alsbald herausstellt. Dascha bezaubert Designer Kilian Kerner mit ihrer direkten Art und darf als „erstes je von ihm gebuchtes Curvy Model“ bei der Berliner Fashion Week für ihn laufen. Das Kleid bekommt sie auch direkt noch geschenkt. Was Kilian in die Top 3 meiner Lieblingsdesigner in dieser GNTM-Staffel aufrücken lässt – neben Christian Cowan in Folge fünf (niemand hat mit Linda mit dem allerschönsten britischen Akzent so erfolgreich nicht-kommuniziert wie er) und Esther Perbandt.

Es ist nicht einfach nur eine Sonnenbrille

Bevor sie den Catwalk-Job bei Kilian Kerner und den textilen Tülltraum einsacken durfte, hat sich Dascha noch beim „Invisibobble“-Casting so gut angestellt, dass sie auch hier gebucht wurde. Für Soulin ein Moment in Folge 12, in dem sie ganz stark sein musste. Denn obwohl sie „immer mit einem Konzept“ in die Challenges geht und jede einzelne Haarspange genau geplant in die Haare geclipst hat, hat ihr das in diesem Fall doch nichts gebracht. Waaaas? Liegt alles nur am Kunden, Soulin. Frag Dascha.

Liliana hingegen schafft es beim „InStyle“-Casting, dass nicht nur die Sonnebrille in ihrem Gesicht „gut zu sehen ist“ (und ich Banausin dachte immer, es reicht, wenn man die einfach auf der Nase trägt), sondern „schaut auch schön“ dahinter. Auch hier muss ich anmerken, dass das Model-Business ja tatsächlich viel anspruchsvoller ist, als ich dachte. ICH schaffe es nicht, hinter den Gläsern meiner Sonnenbrille auch noch besonders deep zu schauen, weil sie halt …äh … dunkel sind? Aber deshalb bin ich auch kein Model, sondern schreibe diese Kolumnen. Für die Volleyball-Karriere hat es halt nicht gereicht.

Psst, Heidi übt sich in Selbstreflektion!

Trotz perfektem Sonnenbrillen-Tragen wird es am Ende knapp für Liliana, denn beim Probelaufen für Kilian Kerner weiß sie nicht, wie oft sie denn nun hin und wie oft her laufen soll und verwirrt und bezaubert ihn gleichermaßen mit der ihr eigenen „Würde man dir sagen, lauf im Kreis, würdest du gegen die Wand laufen“-Verpeiltheit.

Zum großen Entsetzen von Heidi und Thomas, die versteckt hinter einer Roll-Wand die Kerner-Castings beobachten. Wobei wir eine völlig neue Heidi kennen lernen dürfen. Eine ganz leise Heidi, weil sie nämlich nur flüstern darf. Psssst! Und plötzlich wie ein ganz anderer (fast möchte ich sagen: sympathischerer) Mensch wirkt. Ana gegenüber, die im Gespräch mit Kilian Kerner vor lauter Schüchternheit mit ganz kleiner Piepsstimme kaum zu hören ist, gesteht Heidi in einem hellen Moment der Selbstreflektion: „Ich kenne ja noch jemandem mit so einer piepsigen Stimme.“ Die Kunst sei, dass man aber trotzdem gut zu hören ist, wenn man was zu sagen hat. Keine Sorge, Heidi, das bist du. Sagt mal, habt ihr auch dieses Piepen im Ohr?

Für diese Woche sage ich: Goodbye, lieber Thomas Hayo, see you soon. Tschüss, Göööörls, bis nächste Woche. War mal wieder eine schöne Perfomance gewesen.

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