Oscars 2020: "Parasite" als großer Überraschungssieger

Der krönende Abschluss der Oscar-Verleihung 2020 war dann doch eine Überraschung:Die südkoreanischeGesellschaftssatire “Parasite” von Bong Joon-hoholte als ersternicht-englischsprachiger Film in der Geschichte denOscarin der Königskategorie Bester Film.

Noch dazu konnte sich Bong über dieEhrung als bester Regisseur, für das Drehbuch und den Auslandsoscarfreuen.

“Parasite” als großer Sieger bei den Oscars 2020

Damit setzt das Werk seinen Erfolgslauf dervergangenen Monate fort, gewann “Parasite” doch bereits beim Festivalvon Cannes als erster südkoreanischer Film die Goldene Palme. Bei den Oscarswar das Werk der erst sechste Film, der sowohl für den Auslandsoscarund den Besten Film gleichzeitig nominiert war – und der erste, dertatsächlich beide Kategorien gewann. Entsprechend überwältigt zeigtesich Filmemacher Bong Joon-ho, der bereits nach dem Gewinn desAuslandsoscars erklärt hatte: “Jetzt bin ich bereit, trinken zu gehen.”

Joaquin Phoenix und Renée Zellweger als beste Schauspieler geehrt

Ansonstenwar der Abend in Hollywood eher weniger von Überraschungengekennzeichnet. Wie prognostiziert holte sich Ausnahmedarsteller JoaquinPhoenix für seine Leistung in Todd Phillips’ Psychoporträt “Joker”seinen ersten Oscarnach drei erfolglosen Nominierungen, und auch Renee Zellweger durftesich verdient für ihre Verkörperung der Judy Garland im Biopic “Judy”die erwartete Ehrung der besten Schauspielerin holen. Bei denNebendarstellern triumphierten mit Brad Pitt (für Quentin Tarantinos”Once Upon A Time… In Hollywood”) und Laura Dern (für Noah Baumbachs”Marriage Story”) ebenfalls jene beiden Akteure, die im Vorfeld alssichere Bank für die Auszeichnungen gegolten hatten.

“The Irishman” als großer “Verlierer” des Oscar-Abends

Zugleich gab es am Ende auch klare Verlierer des Abends. Martin Scorseses Mafiaabgesang “The Irishman” konnte keine seiner zehn Nennungen in eine Auszeichnung ummünzen. Sam Mendes’ hochgelobtes Weltkriegsepos “1917” musste sich mit drei Ehrungen in den technischen Kategorien Kamera, Tonmischung und Visuelle Effekte begnügen (bei zehn Nominierungen). Und der mit elf Gewinnchancen als Spitzenreiter ins Rennen gegangene “Joker” konnte neben Phoenix einzig mit dem Soundtrack der isländischen Komponistin Hildur Gudnadottir punkten.

Ein klares Votum fällten die Mitglieder der Academy auch beim vor der Gala ausgerufenen Duell zwischen den klassischen Hollywoodstudios und dem Streaminganbieter Netflix: Neben der Nullnummer von Scorseses “Irishman” konnte auch das Ehedrama “Marriage Story” nur mit Laura Dern als beste Nebendarstellerin resüssieren – beide Filme waren von Netflix produziert worden. Statt Streaming stand an diesem Abend also die internationale Öffnung auf dem Programm, die der Goldene-Palme-Gewinner “Parasite” eindrucksvoll für sich nutzen konnte.

Große Effekte und Bombast suchte man bei derOscar-Gala im Dolby Theatre von Hollywood dennoch vergebens, dafür wurde dieDiskussion um Gleichberechtigung in der Filmbranche und die Akzeptanzvon Minderheiten gleich mehrfach aufs Tapet gebracht. Phoenix nutzteseine Dankesrede etwa, um den “Kampf gegen die Ungerechtigkeit” zuadressieren und wurde dabei noch etwas allgemeiner: “Viele von unsglauben, wir sind das Zentrum des Universums.” Dabei sei der Mensch ambesten, wenn er kreativ sei, Dinge und Systeme entwickle und seinemMitmensch helfe. Viel politischer wurde es aber nicht, fiel der NameTrump an diesem Abend doch kein einziges Mal.

Auch Show brachte keine Überraschungen

Wie im Vorjahr verzichtete man auch heuer auf einen fixen Moderator, stattdessen durften sich etliche Stars als Pausenüberbrücker und Preisüberreicher verdingen. Wirklich Schwung brachte man dadurch in die Angelegenheit allerdings nicht, mal abgesehen von der sehr bemüht inszenierten Musikeröffnung durch Sängerin Janelle Monae. Viel spekuliert wurde im Vorfeld auch über den Auftritt von Popstar Billie Eilish, immerhin steuert sie den Titelsong zum nächsten James-Bond-Streifen bei. Letztlich war ihre Version von “Yesterday”, die das traditionelle “In Memoriam”-Segment begleitete, allerdings ziemlich gediegen und unspektakulär.

(APA/Red)

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