Prügelknabe der Herzen: Mach’s gut, Herbert Feuerstein

Herbert Feuerstein war Chefredakteur, Reisereporter, Comedy-Autor, Schauspieler und Musiker. Aber in Erinnerung bleibt er vor allem als Prügelknabe von Harald Schmidt. Der heimste zwar die Lacher ein, aber Feuerstein bekam die Fanpost.

Die Gegensätzlichkeit des Duos Schmidt/Feuerstein machte wohl einen großen Teil seines Erfolgs aus. Hier der für seine Schlagfertigkeit und Bosheit gleichermaßen bekannte Zyniker Schmidt, dort der verschmitzte Feuerstein, der sich stets in Bescheidenheit übte und versicherte, er sei selbst kein Fan von sich selbst: “Ich kann mich nicht sonderlich leiden.”

Harald Schmidt und Herbert Feuerstein: Die beiden Männer trennten 29 Zentimeter Körpergröße.(Quelle: Hermann Wöstmann/dpa/dpa)

“Schmidt wurde relativ schnell faul”

Gleichwohl – oder gerade deshalb – bekam Feuerstein mehr Fanpost. Die Leute identifizierten sich mit dem Underdog. Außerdem – so berichtete er einmal in einem dpa-Interview – profitierte er von Schmidts Trägheit: “Schmidt wurde relativ schnell faul und ließ mich alles schreiben, dadurch konnte ich die Inhalte an mich ziehen.”

Der Humorist Feuerstein, geboren im österreichischen Zell am See, hatte nach eigener Aussage eine alles andere als spaßige Jugend. Sein Vater war – und blieb – ein strammer Nazi, die Mutter wünschte sich immer bloß, dass er doch mal normal werden möge. Um dieser engen Welt zu entfliehen, begann er ein Musikstudium, das 1959 wegen Beleidigung des Hochschulpräsidenten mit seinem Rauswurf endete.

“Entwickler höheren Blödsinns” 

Der Liebe wegen verschlug es ihn nach New York, wo er als Korrespondent arbeitete. Zurück in der Alten Welt, wurde er 1973 Chefredakteur der deutschen Ausgabe der Satire-Zeitschrift “MAD” und steigerte die Auflage von 10.000 auf 400.000. Er gilt als Erfinder wegweisender Comic-Vokabeln wie “Hechel”, “Ächz” und “Würg”. So wirkte Feuerstein als “Entwickler höheren Blödsinns” lange still im Verborgenen.

Nebenbei begann er fürs Fernsehen zu schreiben und bekam in den 80ern seine erste WDR-Show “Wild am Sonntag” (ARD), die allerdings noch kein Erfolg war. Danach saß er im Rateteam der von Harald Schmidt moderierten Spielshow “Pssst…”, und dann kam der große Durchbruch mit “Schmidteinander”.

1994 erhielt Feuerstein einen Bambi für seine “anarchistische Originalität” und den “hemmungslosen Mut zum Chaos”. Kurz danach wurde die Sendung eingestellt – Schmidt hatte die Lust daran verloren. Feuerstein soll übrigens der erste gewesen sein, der seine Karriere als Late-Night-Talker voraussah: “Als ich Schmidt kennenlernte, wusste ich sofort: Das ist der deutsche David Letterman.”

Dem nunmehr prominenten Feuerstein boten sich viele Möglichkeiten zum Weitermachen, und er nutzte sie weidlich. Er trat in Operetten und Theaterstücken auf, wurde Ratefuchs in der Wiederauflage von “Was bin ich?” und Reporter für die ARD-Reihe “Feuersteins Reisen”. Außerdem schrieb er Bücher.

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Als Feuerstein 2017 seinen 80. Geburtstag feierte, wünschte ihm Schmidt “ewiges Leben”. Das klang nett, war aber auch eine kleine Spitze des praktizierenden Katholiken gegen den “total gläubigen Atheisten”, der Feuerstein war. Schmidts Begründung: “Strafe muss sein.”

Vergessen wird man Feuerstein kaum. Auf Twitter erinnern kurz nach seinem Tod prominente Persönlichkeiten an den Entertainer. Klaas Heufer-Umlauf schreibt: “Mails hat er immer unterschieben mit “zukünftige Legende Herbert Feuerstein”. Recht hat er!” 

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