Sophie Scholl auf Instagram: viel Lob, aber auch Bedenken

Aufgrund ihres Widerstandes gegen das Naziregime wurde sie mit nur 21 Jahren hingerichtet. Am heutigen 9. Mai wäre Sophie Scholl 100 geworden. Durch ein Instagram-Projekt soll ihr Leben und Wirken auch jüngeren Menschen nähergebracht werden.

Schon kurz vor ihrem 100. Geburtstag war Sophie Scholl plötzlich auf Instagram vorzufinden. Sie filmt für den Kanal @ichbinsophiescholl ihr Leben, teilt Fotos, Zeichnungen, Dokumente und schreibt über das, was sie denkt und fühlt. Das Profil begleitet in Echtzeit die letzten zehn Monate im Leben der Münchner Studentin, die wegen ihres Engagements in der Widerstandsgruppe Weiße Rose gegen die Nationalsozialisten am 22. Februar 1943 hingerichtet wurde.

Luna Wedler spielt Sophie, Max Hubacher ist als ihr Bruder Hans Scholl zu sehen. Vor allem junge Leute sollen so mehr über die mutige junge Frau erfahren, deren 100. Geburtstag am heutigen Sonntag, den 9. Mai gefeiert wird. Das Projekt von SWR und BR ging bereits am Dienstag online. Inzwischen folgen dem Kanal fast 650.000 Menschen – Tendenz weiterhin steigend.

“Wichtig, uns nicht der Zielgruppe anzubiedern”

Akribisch hat das Team um Regisseur Tom Lass in Briefen, Tagebüchern und historischen Dokumenten recherchiert. Manches ist auch fiktional, etwa wenn Sophie in die Kamera spricht. Doch das geschieht mit Respekt und Umsicht, ohne Sophie Scholl zu vereinnahmen. Als er für das Projekt angefragt wurde, sei er aber erst einmal skeptisch gewesen, sagte Lass dem “Tagesspiegel”: “Sophie Scholl in der Ich-Perspektive, das kann ja nach hinten losgehen. Mir war wichtig, dass wir die richtige Tonalität finden, uns nicht der Zielgruppe anbiedern.” 

Eines will der Regisseur außerdem betonen: “Wir wollten die Gegenwart auf keinen Fall mit der Nazidiktatur gleichsetzen. Das verbietet sich, auch wenn es Menschen gibt, die das heute versuchen.” In den vergangenen Monaten ist es vorgekommen, dass Sophie Scholls Widerstand gegen das Naziregime von Querdenkern und Politikern am rechten Rand missbraucht wurde – man denke etwa an Jana aus Kassel.

Projekt startete mit Sophie Scholls Umzug nach München

Doch zurück zu @ichbinsophiescholl: Start des Projektes war am Dienstag – an dem 4. Mai, an dem Sophie auch im Jahr 1942 von Ulm nach München reiste, um Philosophie und Biologie zu studieren. Endlich raus aus der Provinz: “Studieren in der Großstadt, ich freu mich, auf alles, was kommt”, jubelt Sophie da in die Instagram-Kamera.

Das Projekt kommt großenteils positiv an, denn es zeigt die Studentin als freche und auch widersprüchliche, junge Frau, die die Dinge hinterfragt, sich mit Neugier ins Leben stürzt, die sich mit ihrem Verlobten Fritz Hartnagel wunderschöne Briefe schreibt und auch mal mit der Liebe hadert. Bei aller Lebenslust ist sie entsetzt über die grausamen Verbrechen der Nationalsozialisten. Hier will sie nicht länger tatenlos zusehen und schreitet mutig zur Tat.

Gezeigt wird eine Überraschungsparty, die ihr Bruder Hans zu ihrem 21. Geburtstag für sie schmeißt. Das Einleben in München und wie sie über Hans in Kontakt zu Alexander Schmorell und anderen aus der Weißen Rose, die in Flugblättern die Verbrechen der Nazis anprangern, kommt.

Erzählt wird bis zu jenen schicksalhaften Tagen, als Scholl und ihr Bruder am 18. Februar 1943 verhaftet werden, während sie im Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität in München Flugblätter verteilen. An diesem Tag im kommenden Jahr soll der letzte Beitrag auf dem Instagram-Profil gezeigt werden. Vier Tage später werden sie hingerichtet. 

“Krass, wie echt es sich anfühlt”

Eine Userin schreibt in den Kommentaren auf Instagram: “Ich hab von dem Projekt in den Nachrichten gehört und gedacht: ‘Okay, nette Idee, aber das ist schon ziemlich gestellt…’ Aber jetzt bin ich hier und muss sagen, es ist krass, wie echt es sich anfühlt!” Weiter befindet sie: “Toller Ansatz, super umgesetzt – endlich mal wieder eine gute Seite von Social Media!” Eine andere Person meint: “Danke, dank diesem Projekt lerne ich soooooo viel dazu.” Auch zu lesen: “Spannend und realitätsnah, dieses Projekt. Ich habe jetzt schon einen Kloß im Hals.” Andere sprechen von einem “bereichernden Erlebnis”. 

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Neben viel Lob gibt es für @ichbinsophiescholl auch Kritik. “Um eine angemessene, seriöse historische Würdigung Sophie Scholls und der Gruppe geht es dort nicht”, schreibt etwa Heike Hupertz in der “FAZ”, die weiterhin bemängelt: “Wichtiger noch als Content sind Follower. Das Anfangsvideo hatte 1,7 Millionen Abrufe. Mission erfüllt – fragt sich nur, für wen.” Im Netz schreibt jemand: “Die Verquickung von damals und heute in dieser Art ist gewöhnungsbedürftig.”

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