Thomas Gottschalk: "Nicht bereit, mich zu entschuldigen"

Kürzlich hat Thomas Gottschalk mit einer Diskussion um das Wort “Zigeunersauce” für negative Schlagzeilen gesorgt. Lange schwieg er zu Rassismus-Vorwürfen, die laut wurden. Jetzt meldet sich der Entertainer zu Wort.

Gottschalk hielt sich zu den Rassismus-Vorwürfen bisher bedeckt, erklärte in einem “Bild”-Interview lediglich, dass wenn er “vor der Show die Mundbremse anziehen” müsse, er die “Klappe gar nicht mehr aufzumachen” brauche. In der “Welt am Sonntag” findet der 70-Jährige jetzt deutlich versöhnlichere Worte, will sich aber auch weiterhin nicht entschuldigen.

“Ein altes Hirn sollte in der Lage sein, neu zu denken” 

“Ich bin auch heute nicht bereit, mich für etwas zu entschuldigen, das weder verletzend noch bösartig gemeint war. Aber ich bin bereit, zu lernen und zuzuhören”, erklärt Gottschalk. Sein Weltbild sei im vergangenen Jahrhundert entstanden, er akzeptiere, dass “da einiges justiert werden muss”. “Ein altes Hirn sollte in der Lage sein, neu zu denken.” Er müsse entrümpeln und jeder wisse, wie schwer es ist, sich von altem Krempel zu trennen.    

Er habe immer versucht, es allen recht zu machen, so Gottschalk. Er saß dabei oft zwischen den Stühlen. “Früher generierte ich damit Schlagzeilen bei der Boulevardpresse, heute erzeuge ich Shitstorms”, resümierte er. Er könne dabei wesentlich besser mit Anklagen als mit Enttäuschungen umgehen. 

“Menschen, die ich enttäuscht habe, nehme ich ernst, und es tut mir leid”, schreibt er selbst in dem Artikel. “Gerade musste ich lernen, dass man Menschen auch dadurch enttäuschen kann, dass man sie nicht versteht.” Er wolle sich nicht damit herausreden, dass er eine andere Sprache spreche, zu der bestimmte Vokabeln gehörten. Vokabeln, “die in der eigenen Wahrnehmung weder etwas mit Diskriminierung, noch mit Rassismus zu tun haben”. Es gebe eben im Leben einfach Momente, in denen man erkennen müsse, “dass es so, wie es immer ging, eben nicht mehr geht”. 

“Ich werde gewisse Begriffe nicht mehr benutzen” 

Es würden sich Menschen verletzt fühlen, die man nicht verletzen habe wollen. “Ich werde gewisse Begriffe nicht mehr benutzen”, so Gottschalk. Er werde diese nicht “zähneknirschend vermeiden, weil es die Political Correctness verbietet, sondern weil einem Menschen mit meiner Eloquenz unzählige Worte zur Verfügung stehen, die weder missverständlich sind, noch aus einer Denkschule kommen, die ausgedacht hat.” 

“Ich war und bin ein Showmaster, dessen größte Sorge es immer war, einen Gag liegenzulassen”, schreibt er. Den Ernst der Lage habe er nie zur Kenntnis genommen. Er habe sich auf ein “… der Thommy darf das” oder “So isser halt” verlassen. Das führte dazu, dass es ihm heute schwerfalle, dass er sogar daran scheitere, den richtigen Ton zu finden. Er sei früher immer der “richtige Mann am richtigen Platz” gewesen, “aber nur an diesem”. Er würde auch heute noch oft so reden, wie er es “gestern ungestraft tun konnte”. 

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Besonders “entsetzt” sei Gottschalk darüber, “dass ich damit offensichtlich Menschen enttäusche, die mit mir großgeworden sind. Die mich für einen der Guten hielten, für einen, von dem sie sich verstanden fühlten”. Er habe immer versucht, jeden zu verstehen. “Ich habe nie einen Unterschied gemacht zwischen Alt und Jung, Dumm oder Schlau, Grün oder Weiß. Und ich habe bei dem Versuch, alle zu unterhalten, das eine oder andere Mal dummes Zeug erzählt. Niemals habe ich es böse gemein, niemals wollte ich jemandem wehtun.” 

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