Tod von Prinzessin Diana: Die rührende Geschichte hinter diesem Foto der Queen

Anfang September 1997. Die Welt steht unter Schock: Prinzessin Diana, die Königin der Herzen, ist tot. Gestorben mit nur 36 Jahren nach einem Autounfall in Paris, auf der Flucht vor Paparazzi. Zu Tausenden legen Trauernde Blumenbouquets vor den Palästen in London ab und stehen stundenlang Schlange, um in Kondolenzbüchern letzte Worte an Diana zu richten. Wildfremde liegen sich auf der Straße in den Armen, weinen bitterlich. Ein Land, eine Welt, ist in Trauer vereint. 

Doch es sind nicht nur Tränen, die man auf den Gesichtern in diesen Tagen sieht, sondern auch Ärger: Queen Elizabeth, 71, schweigt beharrlich zum Verlust ihrer Schwiegertochter. Mit Prinz William, 15, Prinz Harry, 12, und Prinz Charles, 47, hat sie die tragische Nachricht aus Paris sie im alljährlichen Sommerurlaub auf Schloss Balmoral in Aberdeenshire, Schottland, erreicht. Es ist einer der sehr seltenen Momente, in der sie ihre Rolle als Großmutter vor die als Königin stellt: Elizabeth entscheidet, zum Schutz und zur Unterstützung von Harry und William nicht sofort nach London zu reisen. Der Tod Dianas, so empfindet sie es, ist eine Privatangelegenheit. Schließlich gehört die Ex-Frau von Prinz Charles seit der Scheidung 1996 nicht mehr zur königlichen Familie.

Prinzessin Diana (†)

Königin der Herzen – ein Rückblick




Doch je länger die Queen schweigt, desto rauer wird der Ton in der Öffentlichkeit. “Speak to us Ma’am” (“Sprechen Sie zu uns, Ma’am”), fordert “The Mirror” auf seiner Titelseite. “Show us you care!” (“Zeigen Sie uns, dass es Sie kümmert”) der “Express”. Und “The Sun” fragt: “Where is our Queen?” (“Wo ist unsere Königin?”).

Queen Elizabeth in der Diana-Krise

Sandy Henney war von 1993 bis 2000 die Presse-Sekretärin von Prinz Charles. In der “BBC”-Dokumentaion “Reinventing The Royals” sagt sie über die ersten Tage im September 1997: “Ich erinnere mich an ein Briefing, mit ihrem Privatsekretär am Telefon. Ich sagte: ‘Ich weiß, dass Sie das im Fernsehen sehen. Aber Sie müssen wirklich hier sein, in London, um die Atmosphäre zu spüren. Die Leute sind wirklich anti-monarchistisch eingestellt.’ Ich habe mir Sorgen gemacht, wohin das noch führen wird.”

Auch Charles Rea, von 1995 bis 2002 Royal-Reporter für “The Sun”, spürte die feindliche Stimmung im Volk. “Die Leute wollten die Queen sehen. Sie waren sauer, dass sie nicht da war.” Noch nie war die Königin derart kritisiert worden wie jetzt”, sagte er der “BBC”. Erst mit Hilfe des damaligen Premierminister Tony Blair konnte die Queen schließlich davon überzeugt werden, nach London zu fahren.

Prinzessin Diana (†)

Zehn brisante Zitate aus den aufgetauchten Tapes

Die Queen bekommt Blumen – und noch viel mehr als das

Gekleidet in ein schwarzes Kostüm und an der Seite ihres Ehemannes Prinz Philip ist die Königin am 5. September 1997, fünf Tage nach Dianas Tod, endlich da, wo sie nach der Meinung vieler hingehört: an der Seite ihres Volkes. Zu Tausenden haben sich die Menschen vor den Toren des Palasts versammelt, als die Queen und Philip endlich erscheinen. Auch Katie Jones und ihre Großmutter Enid Jones stehen in der Menge. 2017, anlässlich des 20. Todestages Prinzessin Dianas, erinnern sich sich in der “Channel 5”-Dokumentation “Diana: 7 Days That Shook The Windsors” an die Begegnung mit der Queen. 

“Die Haltung der Menge war unangenehm und etwas, das ich noch nie zuvor gesehen hatte bei einem royalen Auftritt”, beschreibt Enid Jones die Situation, als die Königin und ihr Mann aus dem Auto stiegen, um sich das Blumenmeer für Diana vor dem Palast anzusehen. “Wenn die Königin vorbeikommt, klatschen die Leute, die Leute winken, die Leute jubeln, aber [dieses Mal] standen sie nur da.” Im Gegensatz zur Allgemeinheit sind die Jones’ der Meinung, dass die Queen richtig gehandelt hatte, mit William und Harry in Schottland zu bleiben. Und dann passiert es.

Todestag von Prinzessin Diana

Sie wollte am 31. August 1997 nie in Paris sein

“Ich winkte mit meinen Blumen,” erinnert sich Katie in der Doku, “und sie [die Queen] fragte mich, ob ich wolle, dass sie die Blumen zu den restlichen Blumen [für Diana] legte. Und ich sagte: ‘Nein, sie sind für Sie, Ma’am’. Sie hielt meine Hand an diesem Punkt zitternd und sie fragte mich: ‘Bist du sicher?’ Und ich sagte: ‘Ich denke, Sie haben Sie verdient. Ich denke, Sie haben das Richtige getan, dass Sie bei Ihren Enkeln geblieben sind.’ Ich glaube, ich habe tatsächlich auch gesagt: ‘Wenn meine Mutter gerade gestorben wäre, würde ich meine Oma bei mir haben wollen.” Ein Foto auf der Website der britischen Zeitung “The Express” zeigt den Moment, als die Jones’ die Blumen übergeben. Und tatsächlich: Die Queen behielt die Blumen in ihrer Hand.

Queen Elizabeth am 5. September 1997 in London.

Queen Elizabeth am 5. September 1997 in London.

Katies Großmutter Enit ergänzt in der Doku: “Ich denke, dass Kate vielleicht etwas gesagt hat, was den Menschen bewusst machte, dass sie vielleicht völlig unfair gegenüber jemandem waren, der sein Leben unserem Land geschenkt hat.” Der “Telegraph” notiert über den Moment in ähnlicher Weise: “Es gibt Applaus von der Menge beim Auftritt der Queen. Beobachter spüren, dass die angespannte Spannung sofort nachlässt.”

Eine Rede an die Nation

Noch am selben Abend wendet sich Queen Elizabeth in einer TV-Rede persönlich an ihr Volk – und schafft es mit einer Meisterleistung der PR, die Massen wieder für sich zu gewinnen. “Seit den schrecklichen Nachrichten vom vergangenen Sonntag haben wir in ganz Großbritannien und auf der ganzen Welt einen überwältigenden Ausdruck der Trauer über Dianas Tod gesehen”, beginnt sie ihre Rede. “Wir haben alle auf verschiedene Arten versucht, damit umzugehen. Es ist nicht leicht, ein Gefühl des Verlustes auszudrücken, da der anfängliche Schock oft durch eine Mischung anderer Gefühle erreicht wird: Unglaube, Unverständnis, Wut – und Sorge um diejenigen, die bleiben. Wir alle haben diese Emotionen in den letzten Tagen gespürt.” Ihre Respektsbekundung an Dianas Leben und Wirken leite sie dann ein mit den Worten: “Was ich Ihnen jetzt sage – als Ihre Königin und als Großmutter – sage ich von Herzen.” 

Der Zusatz “als Großmutter”, der die Sorge der Queen um Harry und William betont, ist die Idee von Tony Blair gewesen sein. Blair glaube, dass die Menschen die Queen “als verletzlich und nicht einfach als Monarchin sehen müssen”, analysiert “The Telegraph” in einem Artikel. Mit Erfolg: Das Volk verzeiht seiner Königin. 

Verwendete Quellen: Daily Mail, “BBC”-Dokumentation “Reinventing The Royals”, The Telegraph

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