"Aktenzeichen xy … ungelöst": Mysteriöse Anrufe vor dem Verschwinden – Lissy Lauer seit 30 Jahren vermisst

In der jüngsten Ausgabe von „Aktenzeichen xy … ungelöst“ berichtete Rudi Cerne vom Fall „Lieselotte ‚Lissy‘ Lauer – einem „Cold Case“. Die Angestellte verschwand vor fast 30 Jahren unter mysteriösen Umständen. Zudem rollte die Sendung den ungeklärten Fall „Thomas Atak“ auf. Der 34-Jährige wurde im Jahr 2020 direkt vor seiner Haustür erschossen. Doch es gab auch erfreuliche Nachrichten: Die Helden und Lebensretter Ahmad Al Sheikh Hussein Kames, Dennis Hennig und Lea-Sophie Schlömer wurden mit dem „XY-Preis 2021“ bedacht.

  • Eine Kritikvon Robert Penz

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    Er hätte nur mehr wenige Schritte zu seiner Haustür gehabt. Doch Thomas Atak erreichte sie nicht mehr. Der 34-Jährige Teilhaber eines Burger-Restaurants aus Ahlen in Nordrhein-Westfalen wurde am 10. Dezember 2020 auf dem Parkplatz von einem Unbekannten, der ihn dort bereits erwartet hatte, kaltblütig erschossen. Kurz zuvor fährt ein weißer SUV durch das Industriegebiet, in dem das Opfer seit Jahren lebte. Das Motiv für die Tat? Unbekannt. Ataks Eltern, die im selben Haus wohnten, hörten die Schüsse und eilten zu Hilfe. Vergebens. Da war nichts mehr zu machen. Sohn Thomas war bereits tot.

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    „Ein Raubmord scheidet für uns hier definitiv aus“

    „Wir gehen von einem persönlichen Motiv aus“, meint Julika Böhlendorf von der Kripo Münster. Denn sowohl Geld als auch Handy wurden Thomas Atak nicht gestohlen. „Ein Raubmord scheidet für uns also definitiv aus“, erklärt Böhlendorf. Die Kripo Münster sucht jetzt nach Zeugen, die Atak am Tag der Tat gesprochen oder am Nachhauseweg gesehen haben. Auch der Fahrer des weißen SUVs, der von einer Überwachungskamera erfasst wurde, wäre ein wichtiger Zeuge. Für Hinweise, die zur Ermittlung und Ergreifung des Täters führen, sind Belohnungen von insgesamt 55.000 Euro ausgelobt. 50.000 Euro hat die Familie selbst bereitgestellt.

    Für Hinweise bitte bei der Kripo Münster melden unter: Telefon: 0251 / 27 50

    Cold Case: Seit fast 30 Jahren ist Lissy verschwunden

    Das letzte Mal gesehen wurde Lieselotte Lauer, von Freunden stets nur „Lissy“ genannt, am 2. Juli 1992 gegen 10:30 Uhr. In der Innenstadt von Gunzenhausen. Warum die damals 30-Jährige verschwand, weiß keiner, beschäftigt aber seit bald 30 Jahren zahlreiche Menschen. Lediglich ihr Auto, ein orangefarbener kleiner Ford, wurde kurz nach dem Verschwinden gefunden. Fast drei Jahrzehnte später gründeten Kriminalbeamte die Arbeitsgruppe „Lissy“, um im Rahmen eines sogenannten „Cold-Case-Verfahrens“ die Ermittlungen wieder aufzunehmen. Sie müssen jedoch davon ausgehen, dass Lissy nicht mehr am Leben ist.

    Mysteriöse Anrufe beim Ex

    Lieselotte Lauer arbeitete 1992 in einem Unternehmen für Telekommunikationstechnik und war gerade frisch getrennt, aber dennoch guter Dinge. Mysteriös: Ihr ehemaliger Lebensgefährte, der bereits mit seiner neuen Freundin zusammenlebte, sagte damals aus, dass sie kurz vor Lissys Verschwinden mysteriöse Anrufe erhielten, die darauf hindeuteten, dass sie von einem Unbekannten beobachtet wurde. „Diese Anrufe konnten wir leider nicht zurückverfolgen und auch nicht verifizieren“, so Hauptkommissar Gunnar Schara von der Kripo Ansbach zu Rudi Cerne.

    Archäologie-Hund „Flintstone“ im Einsatz

    Schara berichtet am Mittwochabend weiter, dass der Kripo Puzzleteile und Details, wie er sagt, vorliegen würden, die für ein Verbrechen sprechen. Sogar Anhaltspunkte für das mögliche Versteck des Leichnams gebe es inzwischen, wobei er Details nicht nennen könne. Eine Suche mit dem in der Szene nicht unbekannten Hund „Flintstone“, der menschliche – selbst Jahrhunderte alte – Knochen aufspüren kann, stehe hier kurz bevor. Hinweise werden dennoch gesucht.

    „Wichtig ist es für uns zu wissen, wo und mit wem Lieselotte Lauer die Nacht vor ihrem Verschwinden verbracht hat“, so der Hauptkommissar. Denn in der Nacht vor ihrem Verschwinden, hatte Lissy plötzlich für einige Stunden ihre Wohnung verlassen, wurde aber um 09:00 Uhr morgens vor dieser wieder gesehen. Hinweisgeber, die bei der Aufklärung des Verbrechens helfen, dürfen mit 10.000 Euro Belohnung rechnen.

    Für Hinweise bitte bei der Kripo Ansbach melden unter: Telefon: 0981 / 90 94 0

    Drei echte Helden bei Cerne

    Aber nicht nur akribisch ermittelnden Kommissare, sondern auch veritable Helden kamen am Mittwoch bei „Aktenzeichen XY…ungelöst“ zu Wort. Ahmad Al Sheikh Hussein Kames, Dennis Hennig und Lea-Sophie Schlömer wurden am 9. November 2021 von Innenminister Horst Seehofer als Schirmherr für ihr äußerst couragiertes Handeln mit dem „XY-Preis 2021“ ausgezeichnet. Der mit jeweils 10.000 Euro dotierte Award wurde in diesem Jahr bereits zum 20. Mal vergeben.

    Courage bei Messerattacke und Amokfahrt

    Ahmad Al Sheikh Hussein Kames (damals 28) aus Bonn rettete dem 22-Jährigen Nils Rafeldt nach einem schweren Messerangriff mit rund 20 Stichen in einem Linienbus das Leben. Auch heute, rund 16 Monate später, zeigt sich Kames, der damals ebenso im Bus saß, bescheiden: „Ich bin einfach hingelaufen, ohne zu überlegen“, sagt er lapidar. Auch die 18-jährige Lea-Sophie Schlömer will ihre Story nicht groß aufblasen. Sie griff im Februar 2020 ein, als ein Amokfahrer am Rosenmontag mit seinem Auto und Tempo 60 in den Karnevalsumzug in Volkmarsen fuhr. Die damals 16-Jährige sprintete dem Wagen hinterher, riss die Beifahrertür auf und schlug sich mit dem Amokfahrer um den Autoschlüssel. Danach kümmerte sich die junge Heldin noch um einige der zahlreichen Verletzten. Auch Lea-Sophie Schlömer wurde mit dem Preis für Zivilcourage bedacht.

    Mann versuchte Ex-Freundin anzuzünden

    Unglaublich auch die Geschichte von Dennis Hennig aus Soest. Er rettete Dezember 2020 als damals 34-Jähriger eine Frau davor, von ihrem Ex-Freund auf offener Straße angezündet zu werden, nachdem sie bereits mehrfach von diesem brutal mit dem Hammer geschlagen worden war. Hennig, der in seinem Büro verzweifelte Schreie wahrgenommen hatte, lief auf die Straße, ging dazwischen und flüchtete mit der Verletzten in das Firmengebäude. Der flüchtende Täter konnte wenig später von der Polizei festgenommen werden. Er nahm sich im Gefängnis das Leben. „Nichts zu machen, war für mich keine Option“, so Henning auf Cernes Frage, warum er damals eingeschritten sei. Jedoch wird ihm noch heute ganz anders, wenn er irgendwo Benzin riecht.

    Täter drohten mit Abschneiden eines Fingers

    Ebenso noch aufgegriffen wurde am Mittwochabend der Fall einer 83-jährigen Frau, die am 15. Dezember in Siegburg-Wolsdorf in Nordrhein-Westfalen in ihrer Wohnung brutal überfallen wurde. Die beiden Täter überwältigten die Seniorin an der Haustür, drängten sie ins Wohnzimmer, wo sie sie mit Kabelbinder fesselten, und drohten ihr noch einen Finger abzuschneiden, wenn sie ihnen nicht verraten würde, wo sich die Wertgegenstände befinden.

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    • Letztlich erbeuteten die Täter nur 450 Euro und ein wenig Schmuck. „Wir müssen dennoch davon ausgehen, dass dies nicht ihre erste Tat war. Sie fesselten die Dame äußerst brutal“, konstatierte Hauptkommissar Rainer Kruska von der Kripo Siegburg. Gesucht werden Personen, die Beobachtungen gemacht haben, die mit der Tat am 15. Dezember 2020 gegen 18:20 Uhr in Verbindung stehen könnten.

      Für Hinweise bitte bei der Kripo Siegburg melden unter: Telefon: 02241 / 541 31 21

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