Drei Fragen zum Tatort Ludwigshafen: "Der böse König"

  • In ihrem neuen Fall müssen sich die Kommissarinnen Stern und Odenthal mit einem Mordverdächtigen herumschlagen, dessen Narzissmus anfangs nur lächerlich wirkt.
  • Im Laufe der Untersuchungen rund um den Mord an einem Spätkaufbetreiber wirkt das übertriebene Selbstbewusstsein Anton Malers (Christopher Schärf) allerdings zunehmend gefährlich.

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Was macht einen Narzissten zum Mörder?

Erst einmal ist Narzissmus ein Persönlichkeitsmerkmal von vielen, das wie andere Eigenschaften (Aggressivität oder Gewissenhaftigkeit etwa) in unterschiedlicher Ausprägung den Charakter eines Menschen ausmacht – eine gewisse Selbstliebe ist für die Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen sogar notwendig.

Ein gesundes Selbstbewusstsein macht psychisch stabil und kommt in unserer Gesellschaft sogar besonders gut an, wie das Wissenschaftsmagazin “Quarks” erklärt: “Moderat narzisstische Menschen sind häufig begeisterungsfähig und können sich gut durchsetzen. Die Betreffenden wirken charismatisch und ziehen damit andere in ihren Bann. Sie sind gern unter Leuten und sind sich ihrer Außenwirkung durchaus bewusst.”

Erst wenn diese Eigenschaften überhandnehmen und den Träger oder seine Umwelt belasten, spricht man von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung: Betroffene “sind ständig auf Komplimente aus und halten sich für so wichtig, dass jeder sich ihnen unterordnen muss. Durch ihre Anspruchshaltung und die Unfähigkeit, die Bedürfnisse anderer anzuerkennen, nutzen sie ihre Mitmenschen teils schamlos aus. Fremde Leistungen und Erfolge werten sie ab: Sie müssen andere kleinmachen, um sich selbst groß zu fühlen.”

War der ehemalige US-Präsident ein Vorbild für den “bösen König”?

Seit der Berichterstattung über Donald Trump ist das Krankheitsbild eines Narzissten zwar einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Der “Tatort” spielt in erster Linie nur mit dem Titel “Der böse König” auf ihn an.

Der Regisseur und Autor des Krimis vergleicht aber durchaus die Auswirkungen des pathologischen Narzissmus im politischen und persönlichen Bereich: “Extreme Kritikunfähigkeit führt dazu, dass Konfliktbeilegung mit narzisstisch Gestörten oft nur durch die totale Unterwerfung der Anderen möglich wird. Auf der weltpolitischen Bühne sind solche Menschen eine Katastrophe, im privaten Umfeld zerstören sie das soziale Miteinander”, so Martin Eigler in den Presseinformationen des SWR.

Und weiter: “Wenn man mit so einem Menschen zu tun hat, wird man vielleicht anfangs beeindruckt sein von dessen “verführerischem” Wesen und dann in einem Strudel aus Lügen und Manipulationen versinken.”

Auch deshalb seien psychisch gestörte Narzissten für Betroffene schwer zu erkennen, einen Hinweis aber habe er im “Tatort” verwendet: “Das massive Einfordern von ‘Entschuldigungen’! Dabei geht es nicht um Versöhnung, sondern um Unterwerfung.”

Was hat es mit dem Lügendetektor für die Augen auf sich?

In “Der böse König” nimmt Kommissarin Stern ein Gespräch mit dem verdächtigen Anton Maler mit der Kamera auf und analysiert anschließend seine Pupillenbewegungen. Das Verfahren, mitunter als eine moderne und wissenschaftlich fundiertere Form des Lügendetektors beschrieben, geht von der Annahme aus, dass der Mensch sich beim Lügen mit winzigen körperlichen Veränderungen verrate, weil das Lügen für den Körper anstrengender sei.

Eine Firma, die eine Technologie entwickelt hat, um entsprechende Merkmale verwerten zu können, ist Converus im amerikanischen Utah. Mit einer speziellen Kamera und Software, deren Zuverlässigkeit sich laut Converus mittels künstlicher, lernfähiger Intelligenz kontinuierlich verbessere, wertet EyeDetect Augenbewegungen und die Veränderung der Pupillengröße aus. Die Trefferquote liege bei 85 bis 90 Prozent.

Laut dem englischen “Guardian” interessieren sich nicht nur amerikanische Behörden zur Strafverfolgung, sondern auch Arbeitgeber, Versicherungsunternehmen und Sozialämter für EyeDetect. Zu den Anwendern gehören demzufolge “McDonalds und Dutzende örtlicher Polizeibehörden in den USA”, in England laufe ein Pilotprojekt, um die Rehabilitierung von Sexualstraftätern zu überprüfen. (Eine Anfrage beim Landeskriminalamt in Ludwigshafen, ob dort vergleichbare Methoden eingesetzt werden, blieb unbeantwortet.)

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