Emotionale Reaktionen auf "Joko & Klaas – Live" über Pflegenotstand

ProSieben hat bis in den frühen Donnerstagmorgen sein Programm freigeräumt, um werbefrei den Alltag einer Pflegekraft in Deutschland zu zeigen und auf den Notstand hinzuweisen. Über 38.000 emotionale und verärgerte Twitter-Reaktionen unter dem Hashtag #NichtSelbstverständlich gibt es dazu.

Zahlreiche Frauen und Männer, die in der Pflege in Krankenhäusern und Altenheimen arbeiten oder gearbeitet haben, kamen in der Sondersendung zu Wort, um auf die Probleme innerhalb ihres Berufsfeldes hinzuweisen. Begleitet wurde in Echtzeit per kleiner Kamera eine ganze Schicht der gewissenhaften und stets freundlichen Gesundheits- und Krankenpflegerin Meike Ista im Knochenmark- und Transplantationszentrum der Uniklinik Münster.

Wer zwischendurch Werbung erwartet hat, der durfte lange warten, denn Pausen gab es nicht. 

Tausende twitterten am Abend und nachts zum Thema Pflege. Viele sehen gerade durch die fehlenden Werbeunterbrechungen auch ein symbolisches Zeichen: 

Respekt von Olaf Scholz – ihn gibt es Kritik

Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz äußerte sich ebenfalls: “Danke Joko und Klaas für diese Sendung! Und – man kann es nicht oft genug sagen – Danke an alle Pflegerinnen und Pfleger! Ohne sie geht nichts. Antwort auf diese Erkenntnis ist nicht, Beifall zu klatschen. Respekt heißt: gute Löhne und Arbeitsbedingungen.”

Unter dem Tweet des Vizekanzlers sammelte sich einige Kritik. Der in der Sendung vorkommende Krankenpfleger und Sozialdemokrat Alexander Jorde twitterte: “Ich will keine Worte mehr, ich will Taten. Die SPD ist Teil der Bundesregierung. Du bist Vizekanzler, Olaf Scholz. Worauf warten wir? Wann, wenn nicht jetzt? Hört auf zu reden. Handelt! Wir haben keine Zeit mehr”, schrieb er.

“Wertvolle Arbeit, die von großartigen Menschen für zu wenig Geld verrichtet wird”

Vor allem zu Beginn der Sendung wurden Stimmen und Köpfe von Pflegekräften wie Alexander Jorde aus Hildesheim oder Franziska Böhler aus Frankfurt/Main eingespielt, die auf die Not ihrer Branche hinwiesen. Seit Jahrzehnten versäumten es Politik und Gesellschaft, faire Bezahlung und gut machbare Arbeitsmengen zu organisieren.

Die Pflegekräfte wiesen daraufhin, dass Corona nur das Brennglas auf ihre Situation sei. Viele Tweets bezogen sich auch darauf – und auf Menschen, die sich immer noch darüber beklagen, zum Einkaufen eine Maske tragen zu müssen.

“Das macht sprachlos”

Der Bielefelder Intensivpfleger Ralf Berning wies auf die andauernde Überbelastung hin. Er kenne Leute, die 23 Tage am Stück arbeiteten, das sei “völlig unmenschlich”. Er sei lange Soldat gewesen und ginge lieber wieder nach Afghanistan, als noch einmal so etwas Schlimmes zu erleben wie während der zweiten Corona-Welle im Herbst.

Winterscheidt und Heufer-Umlauf behandeln in ihrer Sendung “Joko & Klaas Live” immer wieder gesellschaftlich relevante Themen. Die Sendezeit hatten sich die Moderatoren in der am Dienstag ausgestrahlten Show “Joko & Klaas gegen ProSieben” erspielt, in der sie in mehreren Wettkämpfen gegen ihren Arbeitgeber antreten. Besonders aber für die gestrige Reportage gab es eine Menge Respekt im Netz – auch von vielen Konkurrenzsendern.

Erstmals in der Geschichte der Show seit 2019 hatten die Entertainer diesmal ProSieben gebeten, nach ihrem Sieg mehr Sendezeit als die sonst übliche Viertelstunde zugestanden zu bekommen. Wie lange es werden würde, blieb anfangs für TV-Zuschauer unklar.

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“Sowas stellt nämlich in so’nem Sender ein bisschen was auf den Kopf und widerspricht genau genommen jeder Regel des Fernsehens”, leitete Klaas die Sondersendung ein. Joko ergänzte: “Ein Thema, das uns alle betrifft, mitten aus dem Leben, und dennoch zu oft ganz am Rand der allgemeinen Wahrnehmung. Viele Themen im Leben bekommen erst dann den Stellenwert, den sie verdient haben, wenn man die Gelegenheit bekommt, sich in ein Leben hineinzuversetzen, das nicht zwangsläufig das eigene ist.” 

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