Kritik zum ‘Tatort: Heile Welt’ aus Dortmund: Die Manipulierbarkeit der Massen

Achtung, Spoiler! Diese TV-Kritik gibt mehr oder weniger konkrete Hinweise auf die Handlung des “Tatorts”. Wenn Sie nichts verraten bekommen wollen, warten Sie mit der Lektüre des Textes, bis Sie den Film gesehen haben (Das Erste, 21.02.2020, 20.15 – 21.45 Uhr und in der ARD-Mediathek).

Der einzige Konflikt, der hier nicht verhandelt wird, ist der zwischen Arm und Reich: In diesem “Tatort” sind alle arm. Sonst aber prallt in der gesichtslosen Hochhaussiedlung Gerberzentrum in Dortmund so ziemlich alles aufeinander, was die Gesellschaft zu bieten hat: Religion auf Religion, Rechts auf Links, Neudeutsche auf Altdeutsche, Meinung auf Meinung.

Aus dem hitzigen Kampf mit Worten im Internet wird bald eine optisch ziemlich beeindruckende Straßenschlacht, durch deren Rauchschwaden Martina Bönisch (Anna Schudt) aufrecht hindurchwandelt, als bewege sie sich auf einer anderen Wirklichkeitsebene.

Bönisch hat diese Schlacht ausgelöst mit der – gibt sie dann auch zu – etwas voreiligen Festnahme eines verdächtigen Jungen, dem Sohn des örtlichen Imam, in einem Mordfall. Rechte und linke Internet-Schreier versuchen, die Geschichte für sich zu instrumentalisieren.

Stefanie Reinsperger als Nachfolgerin von Aylin Tezel

Man kann über diesen Dortmund-“Tatort: Heile Welt” (Buch: Jürgen Werner, Regie: Sebastian Ko) wenig meckern – höchstens, dass man im eigentlichen Fall bald den Überblick verliert, weil so viele Geschichten nebenbei erzählt werden. Da kommt zum einen – als Nachfolgerin von Aylin Tezels Charakter Nora Dalay – die Neue ins Dortmund-Team: Rosa Herzog, gespielt von Stefanie Reinsperger. Auch sie gerät kurz ins Wanken zwischen all den Meinungen, fängt sich aber und legt dann einen sehr schönen ersten Auftritt hin. Sie verspricht eine Bereicherung für den “Tatort” zu werden.

von Henning Kaiser/dpa

Dann macht Peter Faber (Jörg Hartmann), der diesmal gar nicht so verrückt ist wie sonst, seiner Kollegin Bönisch weiter etwas unbeholfen den Hof, hört mit ihr in seinem neuen Opel Manta “Sunshine Reggae” (natürlich auf Kassette) als Kontrast zum sozialen Schattenort, muss dann aber bedröppelt mit seiner Liebesgabe (Asianudeln in der Mitnahmebox) wieder abziehen, weil seine Verehrte mit einem anderen Kollegen anbandelt.

“Tatort” aus Dortmund: Fabers Gastro-Tipp

Und dann geht es eben noch um die Manipulierbarkeit der Massen durch Informationen in sozialen Medien, die ungeprüft im Internet verbreitet werden können. Und die Welt, die gerade einen US-Twitterpräsidenten überstanden hat, seufzt wissend auf.

Und schließlich bekommen wir noch einen Gastro-Tipp von Peter Faber: Den besten Tee in Dortmund bekommt man übrigens bei einem türkischen Drogenhändler am Borsigplatz.” Falls Sie mal in die Stadt kommen.

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