Montauk Project, MKUltra: Diese geheimen Experimente inspirierten "Stranger Things"

  • Am 27. Mai startet auf Netflix die vierte Staffel der erfolgreichen Mystery-Serie Stranger Things„.
  • Urbane Legenden und Verschwörungstheorien über gruselige Experimente mit Menschen im Rahmen des Montauk Projects, des CIA-Projekts MKUltraoder des „Philadelphia-Experiments“ haben die Handlung maßgeblich beeinflusst.
  • Gleichzeitig bezeichnet Schauspieler Charlie Heaton Stranger Things“ als Liebesbrief an die Kinofilme der 1980er-Jahre, die sich immer wieder mit Verschwörungen der US-Regierung auseinandersetzten.

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Kinder mit kurzgeschorenen Haaren sitzen in einem fensterlosen Raum. Sie tragen Patientenhemden, wie man sie aus Krankenhäusern kennt. Die Kinder spielen Schach, sie lassen Brummkreisel drehen und Spielzeugautos fahren. Ein Mädchen bewegt eine Kugel durch ein Holzlabyrinth, ohne diese zu berühren. Ein Junge nimmt gerade an einem Experiment teil, er kann offensichtlich Gedanken lesen.

Eine der ersten Szenen in der vierten Staffel der Netflix-Serie „Stranger Things“ spielt im „Hawkins National Laboratory“, wo zu diesem Zeitpunkt auch noch Elfi (Millie Bobby Brown) untergebracht ist. Das „Hawkins Lab“ ist auch von außen zu sehen, mit seinen Satellitenschüsseln ist es eine klare Referenz an das Camp Hero in Montauk im US-Bundestaat New York.

Der Ort auf Long Island ist in Verbindung mit dem „Montauk Project“ bekannt geworden, unter diesem Namen hat sich eine populäre Verschwörungstheorie verbreitet. Befeuert wurde sie vor allem durch das 1992 erschienene Buch „The Montauk Project: Experiments in Time“ von Preston Nichols. Nichols berichtet darin von angeblichen Geheimexperimenten der US-Regierung, die im Camp Hero stattgefunden haben sollen.

„Stranger Things“: Das ursprüngliche Konzept trug den Namen „Montauk“

Reisen durch Zeit und Raum, Telekinese und Gedankenlesen, an all diesen Dingen soll die US-Regierung zu Zeiten des Kalten Krieges geforscht haben. Mit den Satellitenschüsseln des Camp Hero soll der Legende nach sogar versucht worden sein, die Gedanken der amerikanischen Bevölkerung zu manipulieren.

Dass das „Montauk Project“ als Inspiration für „Stranger Things“ diente, ist kein Geheimnis. Das ursprüngliche Konzept, das die Brüder Matt und Ross Duffer für die Serie entwickelten, trug sogar den Namen „Montauk“. Die Handlung sollte zunächst in der gleichnamigen Stadt spielen, erst später wurde daraus das fiktive Hawkins. Es gab 2018 sogar eine Plagiatsklage des Filmemachers Charlie Kessler gegen die Duffer-Brüder, der in der Serie Parallelen zu seinem Kurzfilm „Montauk“ erkannt haben wollte.

Finstere Regierungsagenten sind elementarer Bestandteil zahlreicher 80er-Filme

Die Klage wurde abgewiesen, dass „Stranger Things“ aber sowohl auf urbane Legenden als auch auf mehrere Filme von Steven Spielberg und Geschichten von Steven King verweist, ist unbestritten. „Es ist mittlerweile bekannt, dass das erste Drehbuch ‚Montauk‘ hieß“, erzählt Schauspieler Charlie Heaton im Gespräch mit unserer Redaktion: „Die Duffer-Brüder hatten von Anfang an eine klare Idee, worum es gehen sollte und wie die Konstellation der Figuren sein sollte. Das Geschehen wurde dann nach Hawkins verlegt und der Name in ‚Stranger Things‘ geändert. Die Serie wurde aber nicht nur von den angeblichen Geschehnissen in Montauk inspiriert, sondern vor allem von Filmen, die die Duffer-Brüder in ihrer Kindheit angeschaut und geliebt haben.“

„Stranger Things“ sei ein Liebesbrief an die Filme der 1980er-Jahre, sagt Heaton, der seit der ersten Staffel die Rolle des Jonathan Byers spielt. Als Beispiel nennt der 28-jährige Engländer den Steven-Spielberg-Film „E.T. – der Außerirdische“, in dem eine Gruppe von Kindern ein auf der Erde gestrandetes Alien vor Agenten der US-Regierung versteckt. „In fast allen diesen 80er-Filmen gab es diese ‚Bad Government Guys'“, sagt Heaton.

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Projekt MKUltra: Das CIA experimentierte mit Bewusstseinsmanipulation

In „Stranger Things“ übernimmt diese Rolle Dr. Martin Brenner (Matthew Modine), der das „Hawkins Lab“ leitet. Dr. Brenner ist eine Referenz an das real existierende Projekt „MKUltra“, in dessen Rahmen der US-Geheimdienst CIA Menschen unter Drogen setzte und mit Methoden der Gehirnwäsche experimentierte. Das Ziel war offenbar, die volle Bewusstseinskontrolle über eine Person zu erlangen und effektive Drogen für Verhöre sowjetischer Spione zu entwickeln. Das geheime Forschungsprogramm startete im Jahr 1953, angeblich wurden dabei düstere Experimente weitergeführt, die die Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern begonnen hatten.

Die Experimente verstießen gegen amerikanisches Recht, zahlreiche Menschen sollen schwere physische und psychische Schäden erlitten haben. Sogar von Todesfällen wird berichtet. Wohl auch deshalb wurde 1972 nach Ende des Projekts „MKUltra“ auf Anweisung des damaligen CIA-Direktors Richard Helms ein Großteil der Akten vernichtet, die die Geschehnisse des Projekts dokumentierten. Was natürlich viel Raum für Spekulationen lässt.

Auch das „Philadelphia Experiment“ könnte „Stranger Things“ beeinflusst haben

Während die Einflüsse des „Montauk Projects“ und von „MKUltra“ auf die Handlung von „Stranger Things“ ziemlich eindeutig sind, gibt es noch eine eher lose Verbindung zum „Philadelphia-Experiment“. Diese Legende dreht sich um angebliche Experimente der U.S. Navy im Oktober 1943. Bei Versuchen, neue Tarntechnologien zu erschaffen, soll sich das Kriegsschiff USS Eldrige im Hafen von Philadelphia quasi in Luft aufgelöst haben, um nur Sekunden später im Marinestützpunkt im 500 Kilometer entfernten Norfolk aufzutauchen. Kurz darauf soll der Zerstörer zurück nach Philadelphia teleportiert worden sein.

Die USS Eldridge hätte somit eine Reise quer durch Raum und Zeit unternommen – so, wie es auch in „Stranger Things“ passiert, wo immer wieder Figuren durch einen Dimensionsriss zwischen der realen Welt und der Schattenwelt, dem Upside Down, hin- und herreisen. Die Legende des „Philadelphia-Experiments“ hat allerdings einen Haken: Sie beruht einzig und allein auf den Aussagen des Matrosen Carlos Miguel Allende. Niemand sonst bestätigte dessen Beobachtungen.

Was absolut typisch ist. Sämtliche urbanen Legenden oder Verschwörungstheorien beruhen auf vagen Aussagen einzelner Zeugen, vernichteten Dokumenten oder verwackelten Filmaufnahmen und Fotos. Handfeste Beweise gibt es nie. Trotzdem faszinieren und beschäftigen diese Legenden die Menschen immer wieder und regen deren Fantasie an. Und ganz nebenbei liefern diese Geschichten den Stoff für hervorragende Mystery-Serien wie beispielsweise „Stranger Things“.

Verwendete Quellen:

  • Zoom-Interview mit den Schauspielern Natalia Dyer und Charlie Heaton
  • Vorabsichtung der Folgen der vierten Staffel von „Stranger Things“
  • Rollingstone.com: „Stranger Things“: The secret CIA Programs that inspired Hit Series
  • Sueddeutsche.de: Plagiatsklage gegen die Schöpfer von „Stranger Things“

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