Nach heftiger Kritik: WDR rechtfertigt seine Flut-Berichterstattung

Kritiker werfen dem größten ARD-Sender vor, die Bürger von NRW nicht ausreichend über den Starkregen informiert zu haben. Der WDR räumt Defizite ein – und auch der News-Chef nimmt nun Stellung.

Doch auch die Medien sind für Warnhinweise unerlässlich. Radio, Fernsehen, Internet: Auf all diesen Kanälen ist der größte Sender der Region, der WDR, vertreten. Hier informiert Sie t-online über alle laufenden Entwicklungen der Flut-Katastrophe. Doch am Donnerstag wurde die öffentlich-rechtliche Senderanstalt für seine teils geringe Berichterstattung in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag heftig kritisiert. Von “unterlassener Hilfeleistung” und “Totalausfall” war die Rede, t-online fasste die Stimmen zusammen – und erhielt bereits eine Stellungnahme des WDR.

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Jetzt hat sich auch Stefan Brandenburg, Chef des WDR-Newsroom, in einem Interview mit dem Medienmagazin “DWDL” ausführlich zur Kritik geäußert.

Stefan Brandenburg: Der WDR-Newsroom-Chef steht nach der hart kritisierten Unwetterberichterstattung Rede und Antwort. (Quelle: WDR/Linda Meiers)

So formuliert der Journalist den bemerkenswerten Satz: “Im Nachhinein ist man immer klüger.” Und räumt vor allem mit Blick auf die Radio-Berichterstattung in den dramatischen Stunden ein: “Natürlich hätte man in Anbetracht des Ausmaßes in der Nacht entscheiden sollen, dass WDR 2 aus der ARD-Nachtversorgung aussteigt und eine eigene Sondersendung macht.”

Bereits am Donnerstag gab eine WDR-Sprecherin auf Nachfrage von t-online zu, dass insbesondere die Berichterstattung aus Wuppertal nicht ausreichend erfolgt war: “Wir teilen die Einschätzung, dass der WDR noch umfangreicher aus Wuppertal hätte berichten müssen”. Schuld sei laut Sender die Flut selbst gewesen, da “das dortige WDR-Studio selbst so stark vom Unwetter betroffen” gewesen sei, dass es ab 3.00 Uhr nachts “nicht mehr selber senden konnte”.

Personelle Kapazitäten geraten an ihre Grenzen

Laut Brandenburg seien gewisse Versäumnisse auch den “Kapazitäten” geschuldet gewesen. Obwohl die Lage sich absehbar verschlimmerte, war man beim WDR nicht ausreichend personell ausgestattet, um entsprechend alle Krisenregionen mit Reportern abdecken zu können. 

Bemerkenswert ist diese kritische Selbstreflexion auch deshalb, weil bereits im Jahr 2014 Vorwürfe gegen den WDR laut wurden. Damals gab unter anderem Wetterexperte Jörg Kachelmann dem Sender eine Mitschuld daran, dass Menschen aufgrund mangelnder Informationen ihr Leben ließen. Darauf angesprochen lenkt der Newsroom-Chef des WDR ein und meint: “Alles geht immer noch besser. Aber wir waren die ganze Nacht mit Reporter:innen draußen und haben im 15- oder 30-Minuten-Takt aktuell informiert und berichtet”. Der Schwerpunkt habe auf “der Primetime” gelegen, auch deshalb sei nachts wenig berichtet worden. Brandenburg stellt klar: “Der WDR war in den vergangenen 48 Stunden mit über 100 Reporter:innen an 108 Orten im Einsatz.”

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Der WDR ist der größte Sender der ARD-Gemeinschaft. Täglich arbeiten insgesamt über 4.200 Mitarbeiter an unterschiedlichen Standorten in Nordrhein-Westfalen für die Angebote im Fernsehen, Radio und Internet – und das sind nur die Festangestellten. Freie Reporterinnen und Reporter sind in dieser Aufstellung noch nicht enthalten.

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