Serie "Ein Hauch von Amerika" im Ersten

Berlin (dpa) – Manchmal hilft ein Blick zurück, die Gegenwart besser zu verstehen. Wie war das, als „die Amis“ nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland blieben?

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In dem sechsteiligen Fernsehspiel „Ein Hauch von Amerika“ zeigt das Erste von Mittwoch (20.15 Uhr) an das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Lebensentwürfe. Dabei bildet die Zeitgeschichte nur den Rahmen für den Traum vom Glück, die Suche nach Liebe und den Hunger nach Gerechtigkeit. Dazwischen wird die dunkle Vergangenheit der Nazi-Zeit mit den vielen Millionen Toten wach. Traumatisiert sind hier viele: manche vom Krieg, manche vom Frieden.

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„Willkommen in Kaltenstein“, heißt die erste 45-minütige Episode. Kaltenstein ist der fiktive pfälzische Schauplatz der Serie. Hier bewirtschaftet Familie Kastner einen Hof, auf dessen Acker gleich zu Beginn ein Blindgänger explodiert. Ihr gut situiertes Pendant sind die Strumms mit Bürgermeister Friedrich als Familienoberhaupt. Die Töchter Erika Strumm und Marie Kastner sind beste Freundinnen – noch. In diese kleine Welt bricht die große Politik in Form der US-Armee ein. Sie bringt nicht nur Panzer, auch Petticoats und Luxusartikel wie Zigaretten und Nylonstrümpfe mit. Doch für die Einwohner schmeckt das Kriegsende noch nach Niederlage und nicht nach Freiheit.

Regisseur Dror Zahavi („Das Geheimnis der Freiheit“) und Kameramann Gero Steffen halten die Spannung trotz einiger vorhersehbarer und plakativer Szenen über sechs Teile hinweg mit kluger Dramaturgie und eindringlichen Bildern hoch. Zudem erzählt die Geschichte nach einem Drehbuch von vier Autoren nicht nur von einem diffusen Damals in der Provinz. „Ein Hauch von Amerika“ stellt die Diskriminierung gegen Schwarze und die Emanzipation der Frauen mit in den Mittelpunkt. Viel aktueller könnte ambitionierte TV-Unterhaltung kaum sein.

Hochkarätige Besetzung

Die Darsteller tragen entscheidend dazu bei: Franziska Brandmeier und Elisa Schlott als Schicksalsfreundinnen Erika und Marie sowie „Tatort“-Kommissar Dietmar Bär als Bürgermeister. Dazu Julia Koschitz als Offiziersgattin. Der Brite Reomy D. Mpeho muss als US-Soldat in der Serie zahlreiche beleidigende N-Wörter über sich ergehen lassen. Zwar ist manche Figur leicht auszurechnen. Aber insgesamt machen die Charaktere durchaus neugierig auf die Auflösung der Konflikte.

Gedreht wurde „Ein Hauch von Amerika“ unter anderem in der Eifel. Im Film ist die Westpfalz der Schauplatz. Heute ist Deutschland wohl nirgends so amerikanisch wie dort. Nicht zuletzt wegen des riesigen US-Militärstützpunkts Ramstein gilt Rheinland-Pfalz als „Flugzeugträger der Amerikaner in Deutschland“. Und der damalige US-Präsident Donald Trump sorgte durch seine Vorfahren aus Kallstadt an der Weinstraße für einen „Hauch von Pfalz“ im Weißen Haus.

Die Serie fängt die Konflikte des Jahres 1951 ein. 70 Jahre später profitieren in Rheinland-Pfalz längst viele Seiten vom Zusammenleben – trotz wiederholten Streits etwa über Fluglärm und Aufrüstung in der Region. Der Sechsteiler zeigt, wie schwer die Anfänge nach dem Zweiten Weltkrieg waren, und hilft, aktuelle Debatten einzuordnen.

Dabei begann die bilaterale Geschichte nicht erst 1945. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg kamen Tausende US-Soldaten nach Deutschland. Vielleicht auch einmal ein Thema für eine größere TV-Produktion.

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