Wirbel um Laschet-Interview: WDR-Moderatorin äußert sich

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat am Donnerstagabend in einem Interview zur verheerenden Flutkatastrophe in seinem Bundesland Stellung genommen. Nun sorgt vor allem eine Passage für Diskussionen.

Das ist passiert: Nach den dramatischen Ereignissen am Donnerstag in Nordrhein-Westfalen besuchte auch Armin Laschet die Krisenregion, um sich ein Bild vom Ausmaß der Verwüstung zu machen. In Gummistiefeln watete er durch das Wasser, stand für Interviews bereit – und sprach vor Ort mit Hilfskräften. “Business as usual” also? Schließlich hatte auch sein Konkurrent um das Kanzleramt – Olaf Scholz von der SPD – seinen Urlaub abgebrochen, um die Lage in den Blick zu nehmen.

Spätestens mit einem Interview im WDR kippte die Stimmung. Laschet sprach in der Sendung “Aktuelle Stunde” mit der Moderatorin Susanne Wieseler über die politische Dimension des Unwetterdesasters. Vor allem die Forderung Laschets, es müsse nun “mehr Tempo” beim Klimaschutz geben, nahm Wieseler direkt zu Beginn des Gesprächs für eine Nachfrage zum Anlass.

“Bedeutet das, Sie haben heute tatsächlich neue Erkenntnisse gewonnen (…) durch dieses Jahrhunderthochwasser?”, fragte die WDR-Journalistin den Ministerpräsidenten. Laschet verneinte und nannte den Ausstieg seines Bundeslandes aus der Braunkohleverstromung als Beispiel dafür, dass er sich schon vorher der Klimakrise bewusst gewesen sei.

Doch Susanne Wieseler hakte kritisch nach und warf dem CDU-Politiker vor, in der Vergangenheit die Braunkohle geschützt und den Ausbau von Windenergie verhindert zu haben. Die Diskussion nahm Fahrt auf – und Laschet geriet nicht nur in die Defensive, sondern auch rhetorisch an seine Grenzen. Dabei kam es dann zu einer Passage, die akustisch schwer verständlich ist, aber von vielen so verstanden wurde: “Entschuldigung junge Frau”, soll Laschet gesagt haben, um sich bei einer erneuten Gegenfrage Gehör zu verschaffen

Unter anderem t-online-Redakteur Patrick Diekmann gab daraufhin den Anstoß für eine Debatte auf Twitter, die die Äußerung Laschets kritisch bewertete und seitdem unter dem Hashtag #JungeFrau geführt wird.

Dem CDU-Parteichef wurde vorgeworfen, abfällig und patriarchalisch zu reagieren. Von “unangemessen, herablassend, despektierlich” war in Tweets unter anderem die Rede. Andere stellten kritisch in Frage, wie Laschet wohl angesichts internationaler Herausforderungen reagieren wird, wenn ihn schon ein solches Interview derart aus der Fassung bringen kann.

Viele Stimmen legten den Fokus allerdings auf einen anderen Schwerpunkt. Es sei unangebracht, nun über sprachliche Verfehlungen zu diskutieren, weil dadurch das eigentliche Thema, die Klimakrise, in den Hintergrund gerate. Außerdem gehe es in der aktuellen Situation auch um die Menschen im Krisengebiet. “Sehr viele Menschen befinden sich in akuter Not und ernsthaft wird heute Abend stattdessen eine Diskussion über #JungeFrau geführt”, heißt es dazu in einem Kommentar auf Twitter.

Susanne Wieseler selbst äußert sich ebenfalls zu all dem Wirbel in den sozialen Medien. “Allerdings: Ich höre gar nicht, dass er das wirklich sagt”, schrieb sie zu der Frage, ob Armin Laschet sie nun im Interview als “junge Frau” betitelt habe oder nicht. Es könne auch der rheinische Dialekt gewesen sein und ein “Entschuldigung Frau”, weil der CDU-Politiker im Eifer der Diskussion den Namen der WDR-Moderatorin nicht parat hatte. 

Als sich der Autor und Journalist Markus Feldenkirchen mit seiner Bewertung in die Diskussion einmischt, stimmt sie ihm zu. Dieser schrieb: “Er hat Ihren Nachnamen vergessen, vielleicht die Folge einer guten, scharfen Interviewführung”, so Feldenkirchen über Laschets umstrittene Passage. Susanne Wieseler daraufhin: “Sehe ich auch so – und hoffe, dass es diesen kausalen Zusammenhang gibt.”

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Auf eine kurzfristige Anfrage von t-online hat die WDR-Moderatorin zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht reagiert. Sollte sich das ändern, reichen wir ihre Einschätzung der Interviewsituation hier nach.

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